Historischer Stadtbummel durch Münchens “Gute Stube”

Christa —  9. November 2012 — Kommentieren

München, die bayerische Landeshauptstadt im Wandel der Zeit.

Vom Dorf Munichen zum Millionendorf oder vom Salzhandel zur Kulturhauptstadt – die Stadt der bayerischen Könige hat viele Gesichter.

Am Anfang war das “Weiße Gold”, die Gier nach Macht und Geld.

Am Anfang waren die Mönche

Na ja, so ganz stimmt das nicht, denn vor dem großen Salzgeschäft gab es da schon ein kleines Dörfchen am quirligen Alpenfluss mit seiner großen Insel – der Isar, entsprungen im Karwendel und verbündet mit der Riß. Das Dörfl Munichen mit der kleinen Klosteransiedelung wurde jedenfalls schon 1102 von den Tegernseer Mönchen schriftlich festgehalten.

Ruffini Haus mit M nchner Kindl

Die Mönche verhalfen dem Dorf zum späteren Stadtwappen, dem Mönch mit der schwarzen Kutte und Eidbuch in der Hand. Der kindlich dargestellte Mönch verwandelte sich in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts vom jungen Mann in ein Mädchen – eine schöne Münchnerin. Aus dem Mönch wurde das Münchner Kindl. Beim jährlichen “Wiesnzug” (Festzug Oktoberfest) führt das Münchner Kindl hoch zu Ross, eine Maß Bier in der einen und eine knusprige Brezn in der anderen Hand, den Festzug an.

Nach den Bajuwaren, Kelten und Römern kamen
die Wittelsbacher und prägten ihre Stadt

Zurück zu Munichen, dem kleinen Dorf an der Isar. Ab dem 6. Jh. siedelten hier die Bajuwaren, davor lebten die Kelten und Römer in dieser zauberhaften Flusslandschaft umgeben von schmeichelnden Flussauen und Moränenkuppen, eine Laune der Natur, die der letzte eiszeitliche Gletscher hinterlassen hat. Dem nicht genug, beschert diese Laune der Stadt zudem den Föhn. Trügerisch rückt der Föhn die knapp 100 Kilometer entfernten Berge mit den weißen Gipfeln unmittelbar vor die Stadt. Gut zu beobachten von einem der Münchner Türme, vorzugsweise bequem per Lift, vom 85 m hohen Turm des Neuen Rathauses bzw. sportlich über hunderte von Stufen schräg gegenüber vom Turm des „Alten Peters“.

Nun, diese traumhafte Landschaft dürfte den Welfenherzog Heinrich, der den Beinamen „der Löwe“ trug, wenig interessiert haben, als er die bei Föhring gelegene Zollbrücke im Visier hatte. Diese Brücke, gelegen an der großen Salzstraße Salzburg – Augsburg, brachte dem Bischof von Freising Tag für Tag viel Geld ein. Kurzerhand, nach Manier des 12. Jh. mit seinen kriegerischen Raubzügen, zerstörte Heinrich der Löwe diese und erbaute seine eigene Brücke über die Isar, etwas südlicher im Dorf Munichen. Am 14. Juni 1158 gründete er seine Stadt für den Salzgroßhandel, geduldet von Kaiser Barbarossa. Aber schon bald verlor er die Gunst des Kaisers durch seine Eigensucht. Jener setzte den Wittelsbacher Herzog Otto als Regenten über die Stadt und Bayern im Jahre 1180 ein. Dies aus Dank für die siegreiche Schlacht in der Veroneser Klause, die den Rückzug Barbarossas von Italien nach Deutschland ermöglichte. Otto der I. führte eine Wittelsbacher Regentschaft an, die 1918 mit Ludwig III. endete. Die Wittelsbacher machten ihre Stadt zum Regierungssitz und zur Landeshauptstadt. München wurde zum Millionendorf und zur Weltstadt.

Die Wittelsbacher Herzöge und Könige formten das Stadtbild wie eine Kunstkulisse. Sie hinterließen Prachtstraßen wie die Ludwig- und die Maximilianstraße, den Königsplatz, die Münchner Residenz, Schlösser, Universitäten, Theater, Museen, sie förderten die Technik, die Wissenschaften. Sie waren volksnah und vom Volk geliebt.

München – ist auch meine Stadt,

die Hauptstadt der viel gerühmten bayrischen Gemütlichkeit, die Weltstadt mit Herz, die Stadt der Kunst. Kinder, deren Eltern Vater und Mutter ebenfalls in München geboren sind, dürfen sich als „waschechte Münchner“ bezeichnen, eine aussterbende Spezies. Ich hatte Glück, ich gehöre noch dazu. Als „Waschechte“ sehe ich meine Stadt auch mit einem kritischen Auge und suche die sprichwörtliche Gemütlichkeit meiner Kindertage so manchmal vergeblich. Diese Idylle von einst ist lauter, voller und schriller geworden – München ist heute eine Boomtown – und für so manchen urstämmigen alten Münchner nicht mehr so ganz nachvollziehbar, was Millionen Touristen als „Bayerische Gemütlichkeit“ verstehen.

Biergärten und die Linie 8

Vielleicht finden Sie ja noch etwas von der alten Gemütlichkeit in den „alten“ Biergärten der Stadt… am Wienerplatz, Augustiner Biergarten, Chinesischen Turm im Englischen Garten oder im Hirschgarten in der Nähe des Nymphenburger Schlosses. Früher fuhr man stets gut gelaunt und gut erholt mit der weiß-blauen Trambahn nach einem Biergartenbesuch nach Hause, die sich gemütlich und legendär “ratternd” durch die Stadt schlängelte, wie es der Volkssänger Weiß Ferdl launig mit seiner „Linie 8“ besungen hat. Die erste Tramway, eine Pferdebahn, fuhr ab Oktober 1876 durch die Münchner Stadt bis hinaus zum Nymphenburger Schloss. Heute geht es in rasantem Tempo unterirdisch durch die Stadt mit U- und S-Bahnen – in alle und aus allen Richtungen im Minuten-Takt. Gemütlicher geht es oberirdisch mit der immer noch weiß-blauen aber modernen Straßenbahn. Noch ein Tipp an dieser Stelle, bevor ich Sie durch die Straßen “meiner Stadt” führe.

“Ein Münchner im Himmel” von Ludwig Thoma

- eine göttliche Satire, ein “Muss”, wenn man die Ur-Münchner verstehen lernen will. Selbst der liebe Gott hat aufgegeben und den stets – obwohl im Himmel – grantelnden Alois Hingerl, Dienstmann Nummer 172, der das “Hosianna” nicht singen wollte, seinen Schmaizler (Schnupftabak) und das Münchner Bier vermisste, zurück in sein geliebtes München geschickt hat… er landete aber nicht wie von Gott befohlen in der bayerischen Regierung mit göttlichen Ratschlägen, sondern im Hofbräuhaus… und do sitzt er “heit no…” (heute noch) und die Regierung wartet ebenfalls “heit no”.

Folgen Sie mir nun durch meine Heimatstadt München, die von der Bauwut der Wittelsbacher Herrscher kreiert und von Münchner Originalen wie dem Weiß Ferdl, dem unvergessenen Valentin und seiner Partnerin Liesl Karlstadt geprägt wurde.

Ein Bummel durch Münchens “Gute Stube”…

Muenchen Rathaus mit Glockenspiel

Münchner Rathaus mit Glockenspiel

Der Stadtspaziergang beginnt am Marienplatz, (Mittelpunkt Münchens seit fast 800 Jahren) und dies bitte immer genau um 11 Uhr mit dem Glockenspiel oben im Rathausturm. Genau gesagt im Neuen Rathaus (1867-1908), ein neugotischer Prunkbau von Georg Hauberrisser und gleichzeitig auch die Krönung aller Baustile des Historismus in München.

Das Glockenspiel zählt zu den größten Europas und ist eine Hauptattraktion unter den Münchner Sehenswürdigkeiten. Also nicht wundern, wenn die zahlreichen

Glockenspiel im Muenchener Rathaus

Das Glockenspiel im Münchner Rathaus

Besucher der Stadt mit Ihnen den Hals verrenken, gespannt nach oben schauen und das „Schauspiel“ verfolgen. Die untere Spiel-Etage zeigt den Schäfflertanz, der sich alle 7 Jahre in München wiederholt und an die Pest Anfang des 16. Jh. erinnert (2012 ist ein Schäfflerjahr). In der Etage darüber findet ein Turnier zur Vermählung des Herzogs Wilhelm V. mit Renata von Lothringen (1568) statt.

Werfen Sie unbedingt einen Blick in den schönen gotischen Innenhof des Rathauses bevor Sie vorbei an der Mariensäule, die an die Besetzung Münchens durch die Schweden im dreißigjährigen Krieg erinnert, in Richtung Altes Rathaus und Heilig Geist Kirche (reiche Rokoko-Ausstattung Gebrüder Asam) in Richtung Viktualienmarkt folgen. Das spätgotische Alte Rathaus ließ 1315 Ludwig der Bayer erbauen. Mehrfach brannte das Rathaus ab und wurde im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört, insbesondere der Festsaal, der bis 1958 wieder vollständig und original hergestellt wurde.

1807 wurde der Münchner Viktualienmarkt vom Marienplatz auf das Gelände des ehemaligen Heiliggeist-Spitals verlegt, zwischen der alten Schranne, der Peterskirche und Heilig Geist Kirche. Seit über 200 Jahren pulsiert hier das Leben zwischen einer Vielzahl verlockender Gerüche, frischem Obst und Gemüse, Gewürzen, feinen Käsesorten, edlen Weinen, Milch- und Fleischprodukten… wie den original Münchner Weißwürsten, bayerischem Leberkäse – unterm Maibaum und im Biergarten inmitten des Marktes.

Gestärkt mit Münchner Leckerbissen geht’s kulturell weiter zur Peterskirche, dem „Alten Peter“.

Münchens älteste Kirche ist St. Peter, von den Münchnern „Alter Peter“ genannt. Sie bzw. er hatte Vorrangstellung bis 1821 die Marienkirche zum Dom (heute Münchens Wahrzeichen) erhoben wurde. Ausgrabungen in den 50er Jahren verweisen auf eine romanische Backsteinbasilika mit zwei Westtürmen aus den Jahren um 1180.

Zwischen den Kirchen entstand ein Wetteifer, der der Innenausstattung des Alten Peters zu gute kam. Die bedeutendsten Münchner Kunsthandwerker schufen eine Pracht zwischen Gotik und Klassizismus – darunter Johann Baptist Zimmermann (Hofstuckator), Egid Quirin Asam, Erasmus Grasser, Joh. Georg Greiff, Ignaz

Anton Gunetzrhainer (Stadtmaurermeister), Ignaz Günther und Joh. Baptist Straub u.v.m. Das heutige Erscheinungsbild der Kirche war 1654 erreicht. Der Turm mit Türmerstube und Rundgang war 1614 fertig gestellt. Wer möchte, kann über hunderte von Stufen den Turm erklimmen und eine wunderbare Aussicht über München genießen.

Der Weg führt weiter über den Rindermarkt, vorbei am Ruffinihaus (Bild oben mit Wappen der Stadt) mit der eindrucksvollen Fassade (von 1175 bis 1808 stand hier ein Turm) zur Sendlinger Straße und zur Asamkirche, St. Johann Nepomuk.

Muenchen Asamkirche

München, Asamkirche

Stifter der Kirche ist der berühmte Bildhauer und Stuckator Egid Quirin Asam (1692-1750). 1729 erwirbt er hier in einer Münchener Hauptstraße, die zum Sendlinger Tor führte, zwei Häuser (Asamhaus). Er erfüllte damit seinen langgehegten Wunsch Werkstatt, Wohnhaus sowie Bau und Ausstattung  einer Kirche zu verbinden. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Maler Cosmas Damian (1686-1739) gestalte er das Asamhaus mit Kirche. Beide ergänzten sich nach dem Studium in Rom ((1712-1713) auf wunderbare Weise und schufen nicht nur hier ein Meisterwerk, das einem beim Betreten der Kirche überwältigt. Werke der Asam-Brüder finden Sie in zahlreichen bayerischen Kirchen und Klöster.

Den Weg zurück zum Marienplatz „schmückt“ das eine oder andere Schaufenster, denn die Sendlinger Straße ist eine beliebte Münchner Einkaufsstraße. Am Marienplatz haben die Frühaufsteher unter uns nochmals Gelegenheit sich das Glockenspiel anzusehen. Weiter geht es von hier durch zahlreiche kleine Gassen zum Dom.

Mächtig, düster ja behäbig wirkt die Liebfrauenkirche inmitten der engen kleinen Gässchen rundherum und trotzdem passt sie gut in das Bild der Münchner Gemütlichkeit. Der einzigartige Bau entstand (dank zahlreicher Bürgerspenden) nach

Muenchen Marienkirche

Der Dom zu München, Marienkirche (zurzeit ist ein Turm wegen Bauarbeiten vollständig umhüllt)

den Plänen Jörg von Halspach (Polling) in den Jahren 1468 bis 1488. Die beiden Türme prägen Münchens Stadtbild entscheidend. Einer ist 100 Meter, der andere nur 99 Meter hoch. Ob dies mit dem damaligen Geldmangel zu tun hat, darüber lässt sich spekulieren. Auch darüber, ob es Spitztürme werden sollten oder doch die erst 1525 aufgesetzten Zwiebelhauben.

Wenn Sie von der Liebfrauenstraße kommend durch das große Westportal den Dom betreten, erhalten Sie ein anderes Bild der Kirche. Der dreischiffige Hallenraum ist hell und wirkt entgegen der bereits vorangehend besuchten Kirchen eher schmucklos. Zu den zahlreichen Künstlern der Holzreliefs und Skulpturen von Aposteln und Propheten zählen auch der Oberpfälzer Erasmus Grasser und Ignaz Günther (u.a. das Westportal).

Über die Fußgängerzone der Theatinerstraße mit ihren Palais und schmucken Bürgerhäusern jeglich möglicher Baustile, erreichen Sie den Odeonsplatz, der verkehrsberuhigt zu den attraktivsten und zentralen Plätzen Münchens gehört. Einmal um die eigene Achse gedreht prägt sich der Odeonsplatz unvergesslich ein. Linker Hand die erste Barock-Kirche Münchens, die ehemalige Hof- und Klosterkirche der Theatiner und rechter Hand die Feldherrnhalle, im Auftrag König Ludwig I. 1840-44 erbaut.

Muenchen TheatinerKirche mit Feldherrnhalle

Der Hofgarten mit der Münchner Residenz, dem ehemaligen Wohnsitz der Wittelsbacher, geben dem Platz ein fürstliches und einzigartiges Ansehen, gesäumt von mächtigen und stolzen Löwen. Der Blick gen Norden in die Ludwigsstraße lässt am Ende der Straße das Siegestor an der Universität erkennen. Dahinter beginnt mit der Leopoldstraße wohl Münchens bekanntester Ortsteil – Schwabing.

Die Residenz ist ab dem Ende des 14. Jh. in mehreren Baustufen je nach Gusto des jeweiligen Herrschers entstanden. Die Luftangriffe im Sommer 1944 zerstörten die Residenz erheblich, wertvolle Rokoko-Zimmer brannten aus. Die Residenz erstrahlt längst wieder im alten Glanz und im Alten Residenztheater (Cuvilliès-Theater) wird bereits seit 1958 wieder gespielt.

Das Residenzmuseum und die Schatzkammer können täglich besichtigt werden, das Cuvilliér-Theater im Apotheker-Hof je nach Jahreszeiten in der Regel zwischen 14 und 17 Uhr.

Rund um den Odeonsplatz laden gemütliche Einkehrmöglichkeiten zu einer kleinen Verschnaufpause ein, bevor Sie der Weg durch die Residenzstraße zum Max-Josepf-Platz mit dem Nationaltheater führt. Erbaut um 1812 durch Karl von Fischer und nach einem Brand um 1823 durch Leo von Klenze, in Anlehnung an die Pläne Fischers, wieder erbaut.

Über die Maximiliansstraße, einer der nobelsten Prachtstraßen Münchens mit Edelboutiquen der großen Modedesigner und Blick zum Maximilianeum (Sitz des Bayerischen Landtags, erbaut von Bürklein und Semper) am Ende der Prachtstraße und über der Isar thronend, gehen wir bis zur Abzweigung rechts, Am Kostor.

Sie können auf den ersten Blick erahnen, wohin die kleine Gasse führt. Richtig, zum Platzl und zum bekanntesten „Biertempel“ der Welt, dem Münchner Hofbräuhaus, dessen Geschichte 1589 begann. Ein schattiger Biergarten im Innenhof unter alten Kastanienbäumen lädt ein, sich vom anstrengenden Stadtbummel zu erholen, bevor es über das Tal zum Ausgangsort Marienplatz zurück geht.

Dieser Stadtrundgang führte Sie durch die „Gute Stube“ Münchens, was aber nicht heißt, dass sie München nun genau kennen. Nein, da gehört noch viel mehr dazu…

Weitere Sehenswürdigkeiten…

Königsplatz (das Griechische an München!), Nymphenberger Schloss, Neue und Alte Pinakothek, Haus der Kunst, das Isartor im Tal mit Valentin-Museum, Deutsches Museum auf der Insel in der Isar, Englischer Garten, das Monumentalstandbild der Bavaria an der Theresienwiese (Oktoberfest) und vieles mehr…

In der Vorstadt Berg am Laim

sollten Sie die typisch bayerische Barock-Kirche St. Michael mit den bekannten Künstlern wie den Baumeister Johann Michael Fischer (teilweise auch Kögelsperger, Fassade), Fresken und Stuck von Johann Baptist Zimmermann sowie die Altäre von Johann Baptist Straub um 1700 geschaffen, nicht versäumen.

 

Text und Bilder von Christa
Historische Quellen für die E
ckdaten:
München (Kindler Verlag 1958), Haus der Bayerischen Geschichte

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Christa

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