König Ludwig II. (1845-1886) – ein Visionär und seine Schlösser

Christa —  24. November 2012 — Kommentieren

Ludwigs Schlösser haben Bayern nachhaltig geprägt und brauchen keine großen Erklärungen mehr. Die bayerischen Schlösser sind auf der ganzen Welt ein Begriff. Die einen halten die Königsschlösser für Auswüchse eines Verrückten, die anderen für phantastische und technische Meisterwerke eines Visionärs. Aber wie kam es dazu? Was trieb den Bayerischen König an? Urteilen Sie selbst darüber und erfahren Sie mehr über den beliebten bayerischen König und seine Schlösser.

Schloss Linderhof

Schloss Linderhof im Graswangtal bei Oberammergau

Ludwig verbrachte seine Kindheit größtenteils im Schloss seines Großvaters Ludwig I., in Hohenschwangau, nahe der Lechstadt Füssen und am Alpsee. Der Schwanenritter Lohengrin, Held der übermächtigen Wandmalereien aus der Nibelungensage in den Gemächern des Schlosses, begleitete Ludwigs Kindheit, die wenig von Mutterliebe geprägt war. Der Schwan war zudem das Wappentier der Grafen von Schwangau. Ludwig war ehrgeizig und war sich seiner Pflichten als künftiger König bewusst. Nach dem frühen Tod seines Vaters Maximilian II. wurde er im Jahr 1864 zum König ernannt. Ludwig war 18 Jahre. Sein Streben galt seinem bayerischen Volk, dem er ein guter König sein wollte, aber es sollte anders kommen. Bayern wurde zu Zeiten seines Großvaters Ludwig I. eine konstitutionelle Monarchie, weshalb dieser abdankte (1848) und seinem Sohn Maximilian den Thron überließ. Maximilian, Ludwigs Vater, störte diese Tatsache weniger. Der junge König jedoch musste erleben, wie seine Anordnungen zum Wohle des Volkes von seinem Ministerrat hintergangen wurden.

Ludwig wollte kein „Unterschreib-König“ sein

… wie er es selbst nannte. So widmete er sich der Musik und Theaterkunst, dem technischen Fortschritt, da er zum Regieren ja eh nicht „gebraucht“ wurde. Er förderte Richard Wagner, dessen Musik er als junger Prinz im Münchener Hoftheater kennen und lieben lernte. Ludwig förderte die Oberammergauer Passionsspiele und erfüllte „seinen“ Münchnern den Wunsch nach einem eigenen Volkstheater, das Theater am Gärtnerplatz. Das Richtfest war 1865. Finanzielle Schwierigkeiten begleiteten das Theater, bis Ludwig II. das Theater über “Strohmänner” aus dem Wittelsbacher Vermögen 1870 erwarb.

Ein Freund Richard Wagners war der damalige „Stararchitekt“ Gottfried Semper und so waren dem Architekten nebst manchem europäischem Königshaus auch die Türen zum bayerischen Königshaus offen. Von 1864 bis 1866 konzipierte Semper das Richard-Wagner-Theater in München, am rechten Hochufer der Isar, das leider nicht realisiert wurde. Die Pläne des Theaterbaus für München mit seinen monumentalen Feststiegen wurden später im Burgtheater in Wien und der Oper in Dresden übernommen. Heute steht weithin sichtbar auf der Anhöhe am Isarhochufer, dem Gasteig (Ableitung vom „gachen“ Steig) ein modernes Konzertgebäude (eröffnet 1985) für die Münchener Philharmoniker aus Beton und Glas, über dessen Schönheit man sicher streiten kann.

Schloss Hohenschwangau Heimat des jungen K nigs

Schloss Hohenschwangau, Heimat des jungen Königs

Ein Krieg war das Letzte was Ludwig für sein Volk wollte und trotzdem musste er die Bayern 1866 mit den Österreichern gegen die übermächtigen Preußen in die Schlacht schicken. Sein Bruder Otto zog als junger Hauptmann mit in den verhassten Krieg. Ludwig wollte den Frieden und eine von ihm vorgesehene Abdankung wurde vom Ministerrat verhindert. Dieser Krieg wurde zu Gunsten Preußens entschieden. Bismarck “bestrafte” die Bayern mit Gebietsabtretungen und hohen Kriegskostenentschädigungen. Der neugegründete Norddeutsche Bund ebnete den Weg für ein preußisch-deutsches Reich.

1867 reiste der junge König zur Weltausstellung nach Paris. Er reiste privat und inkognito als Graf von Berg. Begeistert von der neuen Technik kehrt er nach München zurück. Ebenso begeistert war er vom Bourbonenkönig Ludwig XIV. und dessen Schloss in Versailles, das er auf einer zweiten offiziellen Reise nach Paris besichtigen konnte. Eifrig schmiedete Ludwig Pläne, die sein Vater Maximilian schon hegte, nämlich den Wiederaufbau der Ruine Vorderhohenschwangau, das heutige Neuschwanstein. Ludwig, der zum Regieren ja nicht gebraucht wurde, setzte die Bauleidenschaft seiner Wittelsbacher Vorväter fort. Sein Großvater Ludwig I. prägte München entscheidend mit seiner Vorliebe zur griechischen Bauweise (Königsplatz) und bescherte den Baiern das griechische „y“. Sein zweiter Sohn Otto wurde der erste König von Griechenland.

Nun, sein Enkel Ludwig liebäugelte da schon mehr mit der Nibelungensage (seine Kindheit im Schloss Hohenschwangau) und den Bourbonenkönigen Frankreichs (Neubau Schloss Herrenchiemsee).

Seine Bauwerke plante er
nach den neuesten Errungenschaften der Technik

Stahlkonstruktionen für den Hochbau und Kuppeln (Schloss Neuschwanstein) sowie elektrische Bühnentechnik im Schloss Linderhof. Dazu lebte Ludwig im 19. Jahrhundert, der Epoche des romantischen Historismus, der gerade „modern“ war. Diese Epoche führte in ganz Europa zu historischen Nachbildungen, nur keine dieser Bauwerke egal ob in Rom, Prag, Wien, Paris oder in London brachten es zu so viel Ruhm wie die Königsschlösser in den bayerischen Bergen.

Anmerkung
1867 wurde die Burg Hohenzollern eingeweiht. Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preussen plante 1819 die Stammburg des Hauses Hohenzollern wieder aufzubauen. Das neugotische Schloss mit den vielen Türmen gehört zu den bedeutendsten Bauten des 19. Jahrhunderts.

1840-42 erbaut Graf Wilhelm von Württemberg das Schloss Lichtenstein im Stil einer mittelalterlichen deutschen Ritterburg. Die romantische Ritterburg wurde 1842 eingeweiht. 

Ludwig war ein fortschrittlich denkender König

War sein Großvater noch bestrebt die Bleigießerei in München zum Höhepunkt zu bringen, mit der alles überragenden Bavaria an der Münchner Theresienwiese (Oktoberfest), so gab Ludwig den Pionieren der neuen Technik im Bereich der Elektrizität und dem monumentalen Stahlbau eine Chance (Grundstock für die zahlreichen Wolkenkratzer der Weltstädte). Für sein Volk bedeutete dies Arbeitsplätze.

1869 wurde der Grundstein für das imposante Schloss Neuhochschwangau im Stil einer mittelalterlichen Burg gelegt, ein Meisterwerk der neuen Stahlkonstruktion. Allein die Marienbrücke, die über die Pöllatschlucht zum Schloss führt und einen der schönsten Blicke auf Neuschwanstein preisgibt, ist eine Meisterleistung der frühen Stahlbaukunst.

Schloss Neuschwanstein

Im selben Jahr (1869) begannen auch die Umbauarbeiten des Forsthauses im Graswangtal zum „Königshäuschen“, dem späteren Schloss Linderhof, nahe Ettal im Ammergebirge.

In  Schloss Linderhof wurde die Elektrizität zur zentralen Technik, ein Wegweiser für modernste Bühnentechnik und öffentliche Elektrizitätswerke.

Das 1. Elektrizitätswerk steht in Bayern

Ludwig ließ im Schloss Linderhof die erste elektrische Anlage einbauen, was ein Elektrizitätswerk für Linderhof mit sich zog.

Jeder, der heute die Venusgrotte in all ihrer Farbenpracht belächelt und am Geisteszustand des Königs zweifelt, sollte bedenken, dass diese elektrische Anlage rund ein Jahr vor Thomas A. Edisons Glühlampenversuche und vier Jahre vor der ersten Installation öffentlicher Elektrizitätswerke in Betrieb ging.
Das erste öffentliche E-Werk in Bayern gab es erst im Jahr 1878, das erste deutsche E-Werk ging in Berlin 1885 in Betrieb.

Selbst der Akku-Betrieb wurde von König Ludwig vorangetrieben. Eine akkubetriebene Glühlampe erhellte seine nächtlichen Schlittenfahrten, die er so liebte. Ludwig war kein Freund von Menschenmassen, ihn zog es in die Stille seiner bayerischen Berge. Heute würde man sagen – ein Individualist, ein Aussteiger.

Eine Ballon-Seilbahn über dem Alpsee?

Ebenso fasziniert war Ludwig von den ersten Plänen eines Luftschiffes, dem späteren Zeppelin und den ersten Flugversuchen mit einem am Seil geführten Ballon. Dieser Ballon wurde für Aussichtsfahrten über Paris schon im Jahr 1878 und zur Versorgung der Soldaten im 70er Krieg eingesetzt.
Seine, nach diesem Prinzip geplante Ballon-Seilbahn mit dem Schwanen-Schiff vom Balkon des Schlosses Neuschwanstein über den Alpsee, könnte noch heute für die zahlreichen Touristen in Betrieb sein. Sie hätte funktioniert, das weiß man heute.

Alpsee in Schwangau

Alpsee in Schwangau, hier plante der König eine Ballon-Seilbahn vom Balkon des Schlosses Neuschwanstein hinunter und über den Alpsee

Schloss Herrenchiemsee -
ein »Tischlein deck dich« und ein königliches Schwimmbad

Bereits vor dem Erwerb der Herreninsel, die er vor dem Kahlschlag eines Holzfabrikanten (Jahrhunderte alter Baumbestand) rettete, hatte König Ludwig II. ein Schloss nach dem Vorbild von Versailles geplant. Der Architekt Georg Dollmann setzte seine Pläne um und konzipierte ein noch perfekteres Versailles, Baubeginn 1878. Mit einer Länge von 98 Metern ist der Spiegelsaal (17 Spiegel) größer als die Spiegelgalerie in Versailles. Die 1.848 Kerzen der 44 Kandelaber und 33 Lüster brannten damals noch allein für den König. Die Bauarbeiten wurden am 5. Mai 1886 gegen den Willen des Königs aus Geldmangel eingestellt.

Schloss Herrenchiemsee

 

Was zum Nachdenken gibt…

König Ludwig IILudwig verbrauchte viel Geld für seine Bauwerke, das Geld seiner Wittelsbacher Familie – er schuf damit viele Arbeitsplätze, trieb die technische Entwicklung voran.

Der Ministerrat führte Bayern 1870 in einen weiteren Krieg, diesmal an der Seite der Preußen gegen Frankreich. Sein Bruder Otto war auch in diesem Krieg wieder dabei. Der Ministerrat führte Bayern 1870 endgültig in die Hände des preußischen Königs Wilhelm. Ludwig war mit den zweifelhaften Machenschaften der Entstehung des Deutschen Reiches, der Unterordnung Bayerns und mit den Anordnungen Bismarcks, dem “Eisernen Kanzler” nicht einverstanden. Bismarck vertrat die Meinung, dass die Probleme der Zeit nur mit Blut und Eisen gelöst werden können. König Ludwig II. wollte Frieden, er war ein Freund Frankreichs.

Ludwig wurde vom Ministerrat gezwungen, den von Bismarck verfassten “Kaiserbrief” zu unterschreiben, in dem er, Ludwig II. den Preußenkönig Wilhelm bat, die Kaiserkrone anzunehmen. Ein sehr umstrittener Vorgang, bis hin zum Vorwurf der Korruption (Zahlung einer hohen Geldsumme) und ob Ludwig wirklich selbst den Kaiserbrief unterschrieben hat. Wahr ist, das Ludwig dem Staatsakt fern blieb und der Kaiserbrief von seinem Onkel Prinz Luitpold von Bayern (dem späteren Prinzregenten) übergeben wurde.

Freiherr von der Pfordten, ein Getreuer Ludwigs, der 1866 nach all seinen gescheiterten Bemühungen den bayerischen Ministerrat verließ, schrieb am 21.1.1871 in sein Tagebuch

Vor 78 Jahren haben die Franzosen ihren König ermordet; heute haben die Abgeordneten Bayerns ihren König und ihr Land unter die preußische Militärherrschaft mediatisiert. Finis Bavariae!

Ludwigs Widerstände und sein Rückzug in die Einsamkeit, trieben eine Entmündigung und Absetzung des Königs voran. Bismarck war dabei nicht untätig, ebenso sein Onkel Prinz Luitpold, der alle “Einsätze” gegen den König unterschreiben musste. Hilfreich waren seinen Gegnern hierbei die hohen Kosten seiner Bauwut und die psychische Störung seines Bruders Otto. Viele Ungereimtheiten gab es, nachgewiesene Falschaussagen, bezahlte Diener des Königs und Neid.

Sein Cousin Ludwig wollte König werden hört man. Ludwig II. soll über seinen Cousin geäußert haben „er prinzelt gern“. Prinz Luitpold, der Onkel des Königs übernahm nach dessen Tod im Starnberger See für den kranken Bruder Otto die Regentschaft Bayerns bis zu seinem Tod im Jahre 1912. Nach dem Tod des Vaters sollte der Sohn Ludwig als Prinzregent die Regentschaft weiter übernehmen. Ludwig wollte aber König werden… und so wurde er nach einer von ihm erzwungenen Verfassungsänderung im Jahr 1913 zum König von Bayern erklärt. Dieser Vorgang schadete der bayerischen Monarchie. Dazu missfiel die kriegerische preußenfreundliche Haltung Ludwig III., sie stieß auf Widerstand, was die Aufhebung der Monarchie nach dem 1. Weltkrieg (1914-1918) auslöste. Bayern wurde zum Freistaat. Ludwig III. wollte nicht abdanken und musste am Ende aus Bayern fliehen. Er lebte im Exil in Ungarn, auf den Gütern seiner Wittelsbacher Familie. Ludwig III. ging als letzter bayerischer König in die Geschichte ein. Mit ihm endete die Herrschaft der Wittelsbacher über Bayern.

1886, das Todesjahr Ludwig II. mit den vielen Fragen…

Warum ließ man den König nicht mehr nach München um öffentlich vor seinem Volk zu sprechen, so wie es sein Wunsch war? Durften das Volk und die Presse ihn nicht mehr persönlich sehen und hören, weil er keineswegs geisteskrank war und der Schwindel dabei aufgeflogen wäre?

Abgeführt wie ein Schwerverbrecher…

Warum wurde Ludwig II. von seinem Schloss Neuschwanstein unter Protest seiner treuen Bediensteten und der Schwangauer Bürger wie ein Schwerverbrecher in aller Frühe (12. Juni 1886, 4 Uhr) abgeholt? Warum konnte die Kutsche von innen nicht geöffnet werden? Warum gab es in der Kutsche Fußfesseln? Warum eine Zwangsjacke und warum Chloroform? Der König war äußerlich völlig gefasst und ruhig nach Aussagen seiner Bediensteten, Getreuen und Bürger.

Schüsse hallen durch die Nacht…

Warum hat man den König in Schloss Berg am Starnberger See angekommen, gefangen gehalten? Hat der geachtete Psychiater von Gudden, der auf Drängen des Ministerrates ein für den König fatales Gutachten der Geisteskrankheit ausgestellt hatte, ohne ihn je persönlich untersucht zu haben, seinen Fehler in Schloss Berg bemerkt? Erkannte er, dass der König gesund war als er ihm gegenüber stand und mit ihm gesprochen hat? Musste von Gudden deshalb mit dem König sterben? Warum wollte von Gudden mit dem König ohne Begleitung durch den Schlosspark spazieren? Sah von Gudden keine Gefahr darin, mit dem angeblich geisteskranken König allein zu sein? Gehörte Gudden zur Verschwörung und sein Tod war ein Versehen oder wollte er Ludwig zur Flucht verhelfen und musste deshalb sterben? (Neueste Erkenntnisse aus dem Wittelsbacher Geheimarchiv finden Sie weiter unten – Dezember 2012)

Ein Lügengerüst aus Machenschaften? Führten diese zum mysteriösen Tod des Königs im Starnberger See nahe Schloss Berg am Abend des 13. Juni 1886?

Was geschah am See wirklich?
Wurde der König auf der Flucht erschossen?

Berg das ewige Raetsel

Berg, das ewige Rätsel (Zoom per Klick)

Der König und von Gudden wurden kurz vor 23 Uhr tot im See aufgefunden. Selbstmord des Königs ausgerechnet im knietiefen Wasser, wenige Meter vom Ufer entfernt? Ein guter Schwimmer wie der König einer war, hätte dabei sicher große Probleme sich das Leben zu nehmen. Ein Kampf mit von Gudden? Gudden war Nichtschwimmer und 20 Jahre älter als der König.

Warum hat man den toten König nicht gleich ins Schloss gebracht? Warum wurde er in eine Fischerhütte gebracht, die danach voreilig abgebrannt wurde. Augenzeugen berichteten, dass in dieser Hütte der blutüberströmte König gelegen haben soll.

Warum hat man den ganzen Ort Berg unter Schweigepflicht gestellt, weil angeblich Schüsse gehört wurden? Wurde der König auf der Flucht erschossen, als er in ein bereits auf ihn wartendes Fischerboot einsteigen wollte? Haben die Guglmänner recht, die diese Theorie verfolgen und vom plötzlichen Reichtum der Augenzeugen sprechen? Dies ist nachzulesen auf einer Tafel am Fischerhaus des ehemaligen königlichen Leibfischers Lidl in der Seestraße in Berg – “Das Geheimnis der Bootshütte”.  (http://www.guglmann.de/deutsch/index.htm)

Fragen über Fragen…

…und warum hat man nach seinem Tod ein Gemälde von Gabriel Schachinger anfertigen lassen, das den kräftigen König im Großmeistergewand des Ritterordens St. Georg darstellte (Museum Schloss Herrenchiemsee; dieses Gewand soll er nie getragen haben), das ihn mit wirren und düsteren Augen zeigte? Wollte man dem Volk sagen, das seinen König über den Tod hinaus verehrte, „seht her, er war doch geisteskrank und größenwahnsinnig“?

Fotografien aus dem Todesjahr belegen einen gutmütigen und warmherzigen König, was auch seine treuen Wegbegleiter berichteten, die ihm bis zum Schluss halfen diesem bösen Spiel zu entkommen.

Zuletzt stellt man sich die Frage, warum diese Geschichte nicht endlich eine Klärung findet, der Leichnam des Königs bis zum heutigen Tage nicht zur Obduktion durch eine unabhängige Kommission frei gegeben wurde?

 

Die Götterdämmerung

In der Bayerischen Landesausstellung 2011, „Götterdämmerung. König Ludwig II. und seine Zeit“ im Schloss Herrenchiemsee, war übergroß die Polizeiskizze vom 15. Juni 1886 von Franz Xaver Haertinger an die Wand projiziert. Dem kritischen Betrachter erscheinen diese Aufzeichnungen wenig glaubhaft, ja sogar lachhaft. Dies alles im knietiefen Wasser und wenige Meter vom Ufer entfernt. Es wurden “Gedächtnisprotokolle” geschrieben und noch Tage danach im aufgewühlten See (tagelange Schlechtwetterfront!) “Schleif- und Einzelspuren” gesichert. Neben mir standen vor dieser Projektion eine Mutter mit ihrem etwa 10jährigen Sohn, der die Mutter zweifelnd fragte „Hier soll der König ertrunken sein? So nahe am Ufer war das Wasser gar nicht tief?“.

 

“Ein ewig Rätsel will ich bleiben”…
allein diesen Wunsch hat man dem König erfüllt.

Ludwig Votivkapelle Berg

Votivkapelle Ludwig II. Berg Starnberger See

Das Schloss Neuhochschwangau wurde nach Ludwigs Tod zu Neuschwanstein. Für die Schmähpresse wurde daraus Neu-Wahnstein. König Ludwig soll angeordnet haben, dass die Schlösser nach seinem Tod abgerissen werden müssen. Wie verzweifelt, enttäuscht und wütend muss ein Mensch sein, so etwas nach allen Mühen zu äußern? Sicherlich nachvollziehbar, Ludwig wollte mehr für sein Land erreichen und fühlte sich hintergangen.

Wenige Wochen nach dem Tod des Königs wurden seine Schlösser für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Besucherströme halten bis zum heutigen Tage an. Schade finde ich, dass Ludwig die Ballon-Seilbahn mit dem Schwanen-Schiff vom Balkon des Schlosses Neuschwanstein über den Alpsee nicht mehr realisieren konnte. Dies wäre eine weitere Attraktion für die vielen Besucher seines Schlosses.

 

Heute führen durch künstliche Disney-Phantasieländer Seilbahnen von der Nachbildung des Schlosses Neuschwanstein zu weiteren Attraktionen. Ludwig war seiner Zeit weit voraus und es ist sein Schloss, das hundert Jahre später den Sprung in das Logo des Milliardenunternehmens Disney schaffte.

 

Dezember 2012 – Neuauflage des Films Ludwig II.
Die Wittelsbacher lüften etwas die Verschlussakte “Ludwig II.” für diesen Film…

Interview in der Zeit-Online mit den Regisseuren Marie Noëlle und Peter Sehr:

“Ludwig II. war depressiv, aber nicht unzurechnungsfähig”

Noëlle: Er war durchaus zurechnungsfähig. Wenn man sieht, mit welcher Genauigkeit er den Bau seiner Schlösser überwacht hat, wie er jeden Türknopf ausgesucht hat und mit modernster Technik arbeitete…

(Lesen Sie mehr unter
http://www.zeit.de/kultur/film/2012-12/film-ludwig-marie-noelle-peter-sehr)

 

Ludwig Kreuz Starnberger See

Gedenkkreuz Ludwig II. im Starnberger See

Quellen:
Hans Rall, Michael Petzet “Wirklichkeit und Rätsel”
Haus der Bayerischen Geschichte
Katalog der Landesausstellung “Götterdämmerung” auf Herrenchiemsee
Genehmigte Bild-Darstellungen: Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung

Aktualisiert am 26. August 2015
Autor: Christa Leopold, Kontakt  relaisundalpen@t-online.de

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