Das Bayerische Inntal von Kufstein bis Wasserburg

Christa —  13. Oktober 2012 — Kommentieren

Fernsichtgipfel, Hochtäler, italienisch geprägte Inn-Städte, viel Barock & Rokoko dazu ein historisches Ritter-Barocktheater das seinesgleichen sucht…

Der quirlige Inn aus dem Schweizer Engadin passiert zwischen Kufstein und Kiefersfelden einen weiteren markanten Punkt seines Verlaufes vorbei am mächtigen Kaisergebirge, bevor er sich gemächlich durch Oberbayern bis nach Passau schlängelt, wo er sich mit der Donau zum großen Strom verbündet. Er zieht vorbei an romantischen Altstädten wie Rosenheim und Wasserburg, prägt die Landschaft rund um Barock und Rokoko Kirchen die seinesgleichen suchen. Den Inn, kann man als “den bayerischen Fluss” bezeichnen, denn hier in Bayern zeigt der ursprünglich stürmische Alpenfluss seine ganze Stärke mit stoischer Ruhe.

Länge der Route: ca. 60 km
Abstecher: Samerberg ca. 10 km; Bad Aibling an der Mangfall, Weihenlinden ca. 18 km

Kufstein – Kiefersfelden

Zwischen Kiefersfelden und Kufstein bringt eine Fähre Wanderer und Radfahrer (Inn-Radweg) ganz gemütlich über den Fluss. Alte Feindschaften der vergangenen Jahrhunderte sind Geschichte.

Kufsteiner Festungsanlage

Kufstein, mit der markanten Burganlage über dem Inn, gehörte in vergangenen Zeiten zu Bayern, bis die Stadt und Burg 1504 durch den österreichischen Kaiser Maximilian I. erobert und den Bayern abgenommen wurde. Die als uneinnehmbar geltende bayerische Burg wurde von den Habsburgern im Sturm erobert. Die Grenze zwischen Tirol und Bayern, die sich mitten durch den Inn zieht, hat sich bis heute erhalten. Die schweren Kriege der vergangenen Jahrhunderte zwischen Bayern und Tirol sind heute vergessen, die Grenzen offen.

Koenig Otto Kapelle Kiefersfelden

König Otto Kapelle, Kiefersfelden

Gleich hinter dem alten Grenzübergang an der Bundesstraße zwängt sich eine kleine neugotische Kirche an die Bergwald, die König Otto Kapelle. Der 16-jährige bayerische Prinz Otto (1815-1867) wurde zum ersten König Griechenlands ernannt und nahm hier von seinem Heimatland Abschied.

Der Überlieferung nach sei ihm dies sehr schwer gefallen. Sein Vater Ludwig I. ließ die Kapelle 1834 in Erinnerung an seinen Sohn von Daniel Ohlmüller erbauen.

 

 

Der Relais und Alpen Tipp!
„Der Bauernshakespeare von Kiefersfelden“

Bekannt ist Kiefersfelden insbesondere durch die barocken Ritterspiele, die nichts mit den Reiterturnieren und Mittelalterfesten der heutigen Zeit zu tun haben. Kiefersfelden besitzt das älteste Dorftheater Deutschlands und die schönsten Ritterdramen um Liebe, Hass und Neid. Im Jahr 1618 gründeten die Kiefersfeldener zusammen mit den Tiroler Arbeitern des Hammerwerks eine Spielgemeinschaft für religiöse Spiele. Als Bühne musste damals noch der Balkon des Veitenbauern und als Zuschauertribüne der Hang an der alten Pfarrkirche herhalten. Zahlreiche Theaterstücke zurück bis ins Jahr 17. Jh. sind erhalten geblieben. Aber, da gab es einen Arbeiter aus dem Tiroler Zillertal, 1793 geboren, der von der Nachwelt den Ehrentitel „Der Bauernshakespeare von Kiefersfelden“ erhalten hat. 23 Theaterstücke um Ritter, Liebe, Hass und Neid hat er ausdrucksstark und mitreißend verfasst, die bis heute nichts an Dramatik eingebüsst haben. 1803 wurde die erste „Theaterhütte“ eingeweiht. Die einzigartige Barockbühne mit den Drehkulissen stammt aus dem Jahr 1833. Alljährlich wartet ein großer Kreis von Theaterliebhabern auf die schaurig schönen Spiele in Kiefersfelden, die jährlich in den Monaten Juli – August aufgeführt werden.

Kloster Reisach, Niederaudorf

Kloster Reisach

Kloster Reisach am Inn

Das Karmeliterkloster von 1732 ist eine Privatstiftung, des Münchner Brauereibesitzers Johann Georg von Messerer und wurde in Urfarn nahe am Inn inmitten blühender Wiesen von Abraham Millauer nach den Plänen von Ignaz Anton Gunetzrhainer erbaut. Ein schlichter Bau entsprechend der Ordensregeln. Die Innenausstattung ist äußerst geschmackvoll und nicht überladen. Auf Deckengemälde wurde ganz verzichtet. In der Kirche finden Sie bemerkenswerte Holzreliefs von Johann Baptist Straub.

 

 

Brannenburg, Wendelstein (1838 m)

Gemütlich und nostalgisch geht es mit der 100 Jahre alten Zahnradbahn ab Brannenburg in 25 Erlebnisminuten zum Gipfel.

Wendelstein Zahnradbahn

Wendelstein Zahnradbahn – 100 Jahre alt

Harte Arbeit war es damals, die zwei Jahre andauerte, bis die knapp zehn Kilometer lange Bahnstrecke hinauf auf den Berg fertig gestellt war. Sieben Tunnel und acht Galerien schützen den Bahnverlauf vor Steinschlag und Lawinen. Im Mai 1912 wurde Deutschlands erste Hochgebirgsbahn feierlich eingeweiht. Lesen Sie mehr zum Erlebnisberg Wendelstein gleich hier auf Relais und Alpen

Abstecher zum Samerberg

Wechseln Sie bei Brannenburg die Innseite und bleiben Sie rechts vom Inn. Kurz hinter Nussdorf erreichen Sie eine Abzweigung zum Samerberg, ein landschaftliches Juwel der letzten Eiszeit.

Samerberg Grainbach

Samerberg Grainbach

Heute ist der Samerberg Ziel zahlreicher Ausflügler, die diesen Höhenrücken mit seinen vielen Möglichkeiten vom Wandern bis zum Gleitschirmfliegen und meist mit herrlichem Ausblick zum Chiemsee wie auch Simssee genießen. Ein fantastisches Ziel mit Weitblick-Ambitionen ist die Hochries, die Sie auf einer Wanderung oder per Seilbahn erklimmen können.

Neubeuern am Inn

Am östlichen Innufer erhebt sich markant eines der schönsten Dörfer Deutschlands. Romantisch zeigt sich der historische Marktplatz von 788, den man nur durch mittelalterliche Tore erreichen kann. Ein hübsche Kulisse, die in zahlreichen Filmen bis heute Verwendung findet. Den Markplatz überragt das ehemalige Schloss der Grafen von Preysing, das heute ein Privatgymnasium beherbergt. Die Pfarrkirche Mariae Empfängnis entstand im 13. Jahrhundert. Die Kirchenausstattung zeugt vom einstigen Wohlstand durch Handel und Schifffahrt in Altären und Gemälden, die sich den Patronen der Schiffleutbruderschaft widmen.

Unser nächstes Ziel erreichen Sie von Neubeuern über die B15 Raubling in Richtung Rosenheim.

Westerndorf am Wasen, Pang

Westendorf am Wasen Pang

Im Südwesten von Rosenheim erregt in der Nähe von Pang ein eigenwilliger runder Kirchenbau mit einer großen und einer kleinen Zwiebelhaube aus dem 17. Jh. Aufmerksamkeit. Ein gleichschenkeliges griechisches Kreuz war Grundlage für die Idee des rotundenähnlichen Kirchenbaus. Die reiche frühbarocke Innenausstattung überzeugt. Der Miesbacher Stuckatorenkreis des Maurermeisters Georg Zwerger wurden mit dem Bau und Ausstattung der Kirche St. Johann Baptist-Hl. Kreuz beauftragt.

Heilig Blut, Rosenheim-Süd

Auf dem Weg von Süden nach Rosenheim kommend liegt die Wallfahrtskirche Hl. Blut direkt an der lebhaften Zufahrt in die Stadt. Eine bezaubernde Kirche aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die zum Innehalten einlädt. Hier lässt sich die Hektik des Alltags noch abschalten. Im Hochaltar befindet sich eine Dreifaltigkeitsgruppe, die dem „Meister von Rabenden“ (Anfang 16. Jh.) zugeordnet wird. Ein gotischer Bildhauer, dessen Namen nicht bekannt ist, der sich allerdings über seine großartigen Werke identifizieren lässt. Weitere herausragende Werke von ihm finden Sie nördlich vom Chiemsee in der Pfarrkirche St. Jakobus in Rabenden, in der Nähe vom Kloster Seeon.

Rosenheim am Inn

Zu Zeiten der Römer gab es hier am Inn bereits eine Brücke und eine römische Militärstation, „Pons Aeni“. Die Gründung jedoch geht urkundlich auf das frühe 13. Jh. zurück. Rosenheim war stets hochwassergefährdet aufgrund der ungünstigen Lage auf dem Seeton des Würmeiszeitsees, dem Rosenheimer See, der von Kufstein bis Wasserburg reichte. Rosenheim entwickelte sich trotz aller Widrigkeiten zum reichen Handels- und Marktplatz am schiffbaren Gebirgsfluss. Der Handel florierte bestens zwischen Italien und Ungarn und neben dem Marktrecht, herzoglichen Privilegien durfte  der Markt Pflasterzoll und Salzsteuern erheben. 1560 erhielt Rosenheim das Recht auf den Salzhandel, das weiße Gold. 1864 erhob der bayerische König Ludwig II. Rosenheim zur Stadt. Vieles von Rosenheim vernichteten verheerende Stadtbrände im 16. und 17. Jh. Erhalten blieb der historische Kern am Max-Josefs-Platz mit dem dreistöckigen Mittertor aus dem 14. Jh. (heute Heimatmuseum). Die typischen Innstadthäuser mit Laubengängen, schweren geschnitzten Türen und Rokokofassaden prägen eindrucksvoll das Stadtbild. Spazier- und Radwege, entlang des Inn und der Mangfall, die Rosenheim mit dem Tegernsee (Abfluss bei Gmund) verbindet, runden das Bild der Voralpenstadt ab.

Rosenheim St. Nikolaus

Sehenswert: Die Pfarrkirche St. Nikolaus. Der romanische Kirchenbau wurde im 15. Jh. fast vollständig bei einem Stadtbrand zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte im damals aktuellen gotischen Stil. Reste der alten romanischen Kirche sind im Turm und Fundament erhalten geblieben. Gut sichtbar im Sockelbereich der Fassade auf der Südseite.

Einen Besuch wert ist die zweitälteste Kirche der Stadt, nur wenige Schritte vom Max-Josef-Platz entfernt. Die spätgotische Heilig-Geist-Kirche ist eine Privatkapelle und Spitalkirche (Stiftung) aus dem Jahr 1449 und trug damals einen Spitzhelm. Nach dem großen Stadtbrand erhielt die kleine Kirche inmitten der Häuserzeile ihre wuchtige barocke Zwiebelhaube.

Interessantes über die 2000 Jahre alte Geschichte des Inns erfahren Sie im Inn-Museum (Innstraße 74, geöffnet von April bis Oktober) von der Innplätte und Schiffszug bis zum Inn-Dampfer.

Wir empfehlen ab Rosenheim einen Abstecher ins Nahe Bad Aibling an der Mangfall und zur Wallfahrtskirche Weihenlinden. Wer am Inn in Richtung Wasserburg bleiben möchte, sollte einen Stopp in Rott am Inn, besser gesagt hoch über dem Inn einlegen (siehe unten).

Abstecher nach Bad Aibling an der Mangfall

Das bekannte und größte Moorbad Bayerns blickt auf eine über 2500-jährige Geschichte zurück. Der Hofberg ist markanter Mittelpunkt über der Altstadt mit dem ehemals karolingischen Hofgut und königlicher Pfalz. 500 v. Chr. siedelten die Kelten zu Füßen des Hofberges, 15 v. Chr. eroberten die Römer das Land nördlich der Alpen und 476 drangen die Bajuwaren ein. Auf dem Hofberg wurden die alten römischen Anlagen erweitert und für die Herzöge der Agilolfinger eingerichtet. 788 lösten die Karolinger dann die Agilolfinger ab. Auf dem Hofberg steht auch die spätgotische Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt, die um 1755/1756 nach den Plänen des Münchner Baumeisters Johann Michael Fischer erweitert wurde. Bekannte Künstler wie Ignaz Günther (St. Nepomuk) und sein Mitarbeiter Joseph Götsch (Kreuzigungsgruppe), Johann Martin Heigl (Deckengemälde) gestalteten liebevoll die Ausstattung der beeindruckenden Kirche. Am Marienplatz steht die Kirche St. Sebastian (1765) mit figurenreichen Rokoko-Altären von Joseph Götsch. Gleich gegenüber an der Fassade der ehemaligen Poststation fällt eine Wandmalerei auf, die den jungen Prinzen Otto (Ottokapelle Kiefersfelden!) beim Abschied von seiner Mutter, der Königin Therese am 6. Dezember 1832 zeigt. Der noch minderjährige Otto, wurde nach dem griechischen Unabhängigkeitskrieg zum 1. König Griechenlands ernannt. Über 3000 bayerische Soldaten begleiteten ihn nach Athen.

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Wallfahrtskirche Weihenlinden

Weihenlinden

Wenige Kilometer westlich von Bad Aibling sind rechts von der Bundesstraße in Richtung Bruckmühl zwei markante Zwiebeltürme zu erkennen. Die Wallfahrtskirche Weihenlinden ist der Hl. Dreifaltigkeit sowie der Mutter Gottes geweiht. Die Gnadenkapelle hinter dem doppelstöckigen frühbarocken Hochaltar wurde in den Jahren 1643 bis 1645 erbaut. 1653 bis 1657 wurde die heutige, dreischiffige Emporenbasilika errichtet und 1736 reich mit Fresken und Stuck ausgestaltet. Bei der Säkularisation (1803) wurden fast alle Archive über Bau und Ausstattung der Kirche vernichtet. Eine Reihe von Meistern konnte aber durch ihren eigenwilligen und handwerklichen Kunststil zugeordnet werden. Umgänge für die Wallfahrer befinden sich an den Außenlängsseiten mit großen Wandbildern. An der Nordseite befindet sich die Brunnenkapelle mit dem heilkräftigen Gnadenbrunnen. Weihenlinden ist heute ein zu Unrecht vergessener Wallfahrtsort, ein Barock-Juwel, das man abseits des Verkehrsflusses Bad Aibling – München nicht vermuten würde und das jeden Abstecher lohnt. Hier kann man innehalten, bewundern und auftanken.

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Rott am Inn, Rokoko-Juwel am linken Innufer

Rott am Inn eigenwillige Doppelt rme

Rott am Inn eigenwillige Doppeltürme erheben sich über das Inntal

Zwischen Rosenheim und Wasserburg erhebt sich links vom Inn ein Moränenhügel mit der schönsten Rokokokirche zwischen Inn und Salzach. Mit seinen ungewöhnlichen unterschiedlichen Türmen, Überreste aus dem Mittelalter, erhebt sie sich über das Inntal. Das Äußere der Kirche ist schlicht gehalten. Die ehemalige Klosterkirche zählt zu den wertvollsten Rokokokirchen Bayerns und scheut keinen Vergleich mit den Rokokokirchen des Pfaffenwinkels, wie z.B. der weltberühmten Wieskirche. Die Anfänge des Benediktinerklosters gehen auf das 11. Jh. zurück, die Gründung auf den Pfalzgrafen Kuno I. von Rott.

Die Rotter Klosterkirche ist eine wirklich einmalige Werkgemeinschaft der bedeutendsten Süddeutschen Rokoko-Künstler. Ein schlechter baulicher Zustand erforderte, angeraten vom renommierten Baumeister Johann Michael Fischer aus München, einen kompletten Neubau. Der 1759 geschlossene Vertrag verpflichtete Fischer innerhalb von drei Jahren die Kirche zu errichten. Mit ihm im Bunde waren der Wessobrunner Meister Franz Xaver Feichtmayr, der Bildhauer Ignaz Günther (Hochalter und Figuren) und sein Mitarbeiter Joseph Götsch. Der namensverwandte Maler Matthäus Günther schuf das monumentale Kuppelfresco sowie ein Wandfresko an der südlichen Fassade (Friedhof) in einer Bogen-Nische.

Für diese Kirche sollten Sie sich einen bestimmten Tag einräumen, da der große Kirchenraum mit einem Gitter den Besuchern sonst verschlossen bleibt. Besichtigungszeiten: Ende März bis Anfang Dezember Samstag 13 – 16 Uhr, Sonntag nach dem Gottesdienst ca. 10 -12 Uhr und 13 – 17.30 Uhr (November-Dezember nur bis 15.30 Uhr). Außerhalb dieser Zeiten ist die Kirche täglich von 9 – 17 Uhr (Sommermonate 18 Uhr) bis zum Gitter geöffnet.

Ab Rott haben Sie zwei Möglichkeiten zum letzten Etappenziel nach Wasserburg zu kommen, einmal über Kloster Attel am linken Innufer oder Sie wechseln zum rechten Ufer nach Griesstätt. Letztere Variante ist für Autofahrer wie Radler empfehlenswerter.

Kloster Attel, am linken Innufer

Anfang des 11. Jh. wurde das erste Kloster gestiftet, das bei der Säkularisation 1803 aufgelöst und teilweise abgerissen wurde. Das im 18. Jh. geschaffene Kirchenschiff ist von einem gewaltigen Tonnengewölbe überspannt, das mit Wessobrunner Stuck verziert wurde. Auch in dieser Klosterkirche waren bedeutende Meister des 18. Jh. beteiligt, darunter Ignaz Günther. Wer sich für großartige Kirchen interessiert, sollte auch Attel am linken Innufer gesehen haben.

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Klosterkirche Altenhohenau am Inn

Sollten Sie sich für das rechte Innufer entschieden haben, geht es nach der großen Innbrücke und Griesstätt weiter in Richtung Wasserburg mit einem bezaubernden Stopp im kleinen und schier vergessenen Kloster Altenhohenau, im Schatten der großen Klosterkirche von Rott und nicht ganz leicht in den Innauen zu entdecken. Wenige Kilometer hinter Griesstätt  geht es bei einem kleinen Weiler und unscheinbaren Verkehrsschild „Altenhohenau“ links ab, als wolle man das Kleinod geheim halten.

Altenhohenau verstecktes Kleinod am Inn

Kloster Altenhohenau, verstecktes Kleinod am Inn – hier findet man Ruhe zur inneren Einkehr

Der heutige Bau geht auf das 17. Jh. zurück. Beim betreten der Kirche kommt man durch einen Vorraum, der als Windschutz dient in eine sehr niedrige Vorhalle mit darüber liegenden Nonnenchor. Auch in dieser wertvollen Kirche trenn ein schmiedeeisernes Gitter (1674) den Besucher vom Kirchenraum. Die Decken- und Wandfresken stammen von Matthäus Günther (1705-1788). Den Hochaltar wie die Seitenaltäre schuf Ignaz Günther (1725-1775).

Bemerkenswert an der Nordwand (linke Seite), das wertvolle Mystikerkreuz aus dem 14. Jh. und davor in einem Glasschrein das Kolumba-Jesulein, eine gotische Schnitzarbeit aus dem 15. Jh. das im 18. Jh. das Herz der Nonne Kolumba Weigl aus München erobert hat.

Im rechten Seitenaltar befindet sich in einem goldgefassten Reliquienschrein das Altenhohenauer Jesulein. Im 18. Jh. gehörte dieses kleine Jesulein zu den acht meistverehrten Gnadenbildern Bayerns

Bleiben Sie ab hier auf der rechten Innseite, denn so erreichen Sie die Altstadt Wasserburg wie schon einst Könige, Herzöge, Grafen und sogar Kaiser über die Innbrücke und das Brucktor.

Wasserburg am Inn

Wasserburg Altstadt in der Innschleife

Wasserburg Altstadt in der Innschleife

Wasserburg ist einzigartig, allein schon durch seine Lage im Kessel inmitten der Moränenhügel umgeben vom Inn, der genau hier eine große Schleife bildet. Diese eigenwillige Lage lässt richtig vermuten, dass Wasserburg harte Zeiten erlebt hat zwischen den Stürmen der Zeit. Gleichermaßen geplagt vom Hochwasser wie den Kriegen und Bränden, die die Altstadt heimsuchten. Mehrfach wurde die Innbrücke zerstört, sei es durch Eis oder reißendes Hochwasser oder zuletzt durch eine Sprengung, um 1945 den Einzug der US-Armee zu verhindern.

Wasserburg erlebte aber auch gute Tage, vor allem am „Handelskreuz“ zwischen Tirol und Ungarn mit der Innschiffahrt und den Saumpfaden und Handelswegen zwischen Salzburg – München – Augsburg. Das Salz wurde in Wasserburg zu Gold und brachte der Stadt Reichtum. Die Stadtchronik verrät, dass im Jahr 1618 insgesamt 12.603 Salzkarren einzogen und 11.455 Wagen Salz nach München transportierten. Die Innschifffahrt gab vielen Bürgern Arbeit, denn Schiffer, Knechte, Reiter und Schiffbauer wurden gebraucht. Innaufwärts nach Tirol ging es mit den Schiffszügen, für die mindestens 30 Pferde und bis zu 25 Schiffsleute tätig waren – eine schwere und gefährliche Arbeit. Glanzlichter der Innschifffahrt waren die fürstlichen Hochzeits- und Prunkfahrten. Kurfürst Maximilian I. trat 1635 seine Brautfahrt nach Wien hier in Wasserburg an. Der Brautzug soll aus 24 Schiffen bestanden haben. 1739 reiste Kaiser Karl VII. mit Gemahlin und Gefolge zum Besuch des Kaisers nach Österreich.

Dagegen ist es heute am „gestauten und gezähmten“ Inn in der Altstadt richtig gemütlich. Eine Sehenswürdigkeit schließt sich an die andere an und ein Spaziergang durch die Gassen der Stadt versetzt seine Besucher zurück ins Mittelalter.

Starten Sie mit Ihrem Rundgang am linken Ufer (Parkhaus) vor der Innbrücke. Durch das Brucktor (1338, auf der Innenseite Wandmalereien von 1568) erreichen Sie den Marienplatz mit der Frauenkirche (1324) und gotischem Rathaus, das von 1457 bis 59 erbaut wurde, mit sehenswerten gotischen Sälen (Führungen siehe unten). Gegenüber steht das Haus der Handelsfamilie Kern mit einer einzigartigen Rokoko-Fassade, die der Wessobrunner Meister Johann Baptist Zimmermann um 1738 schuf.

Wasserburg Kernhaus Zimmermann

Wasserburgs Kernhaus, Fassade von Johann Baptist Zimmermann

Durch die Salzender Zeile erreichen Sie die Herrengasse mit dem spätgotischen Bürgerhaus, dem heutigen Heimathaus.

Am Ende der Herrengasse erreichen Sie St. Jakob an dessen südlicher Chorwand ein großes Wandgemälde aus dem 15. Jh. ins Auge fällt, der Wasserburger Lebensbaum. Dahinter zeigen sich die Burg und die Doppelkirche St. Michael. Die Ausstattung der Pfarrkirche St. Jakob wird von einer Zürn-Kanzel gekrönt, von den Brüdern Martin und Michael Zürn 1638 fertig gestellt wurde.

Über die Lederer Zeile, vorbei am Roten Turm, der neben dem Brucktor der letzte erhaltene Turm der alten Stadtbefestigung (zwischen 1160 und 1415) ist, erreichen Sie die Hofstatt, die zurück zum Marienplatz führt.

Wasserburg ist eine lebendige Stadt aus dem Mittelalter. Man könnte auch sagen, die Wasserburger verstehen es mit Ihren Gästen zu feiern. Mitte September findet das Farb- und Klangspektakel „Wasserburg leuchtet“ statt.

Wasserburg leuchtet und klingt

Wasserburg leuchtet und klingt

Bei einem Nachtflohmarkt geht es in der ersten Freitag/Samstag-Nacht im August ums Handeln und Feilschen. Am letzten Samstag im Juli wird es romantisch in den Gassen der Altstadt beim alljährlichen Weinfest. Ganz traditionell präsentiert sich Wasserburg in der Vorweihnachtszeit mit Christkindlmarkt rund ums Rathaus. Ein Grund wieder zu kommen, finden Sie nicht auch?

Sehenswertes in Wasserburg

  • Rathaussäle, Führungen: Dienstag bis Freitag 10, 14 15 und 16 Uhr sowie Samstag 10 Uhr
  • Museum Wasserburg: Dienstag bis Sonntag 13 – 17 Uhr, im Winter bis 16 Uhr, Januar geschlossen
  • Imaginäres Museum, Wegmachermuseum, Wasserburger Bierkatakomben, Skulpturen und Themenwege am Inn.

Genießen Sie, bevor Sie diese mittelalterliche Stadt verlassen einen Überblick über die Stadt von der „Schönen Aussicht“. Diese erreichen Sie über den Kellerbergweg (am Parkhaus an der Innbrücke) in nur 15 Minuten Aufstieg oder mit dem Auto über die Salzburger Straße.

Wasserburg ist das schönste Tor zum Chiemsee und Chiemgau.

 

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Christa

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