Oberbayerns schönste Zwiebeltürme

Christa —  26. Mai 2015

Teil 1: Der Osten, von der Isar bis zum Königssee

(Der Westen Oberbayerns demnächst im Teil 2)

Zahlreiche Schlösser, Kirchen und Erker werden im Aufschwung nach dem dreißigjährigen Krieg (1618-48) mit markanten Zwiebelhauben und -helmen jeglicher Couleur und Größe gekrönt. Die gemütlich wirkenden Zwiebeltürme schmücken Dörfer und Städte oder stehen in landschaftlich lieblichen Waldnischen, auf den Kuppen eiszeitlicher Endmoränen oder vor einer prächtigen Bergkulisse. Alles überragend erheben sich in Oberbayern die katholischen Kirchen in den weiß-blauen Himmel. Der Barock erlebt rund um 1700 seine Blütezeit und wechselt in das üppige verspielte, ja glamouröse Rokoko. Nicht wenige Zwiebeltürme künden schon aus der Ferne von einem Barock- und Rokoko-Juwel. Kirchen, die sich lohnen einen Stopp einzulegen und dies nicht nur für kunsthistorisch Interessierte. Die Kirchen sind neben ihrer religiösen Bedeutung zu wahren Museen avanciert. Kunsthistorische Führer liegen heute schier in jeder Kirche gegen ein geringes Entgelt zum Einlesen in die Baugeschichte auf. Es empfiehlt sich wirklich einmal von Kirche zu Kirche zu fahren um die Meisterwerke von Asam bis Zimmermann kennenzulernen. Ein guter Tipp wäre die Reise entlang der Deutschen Alpenstraße von Neuschwanstein bis Berchtesgaden, mit reichlich Zeit für Abstecher – einer Rad- oder Wandertour.

Ramsau, Berchtesgadener Land

Ramsau, Berchtesgadener Land

Mit dieser Bildreportage möchte ich Ihnen eine kleine Auswahl bemerkenswerter Zwiebeltürme vorstellen – versteckte und weniger versteckte, die mir bei meiner Recherche für die Historischen Routen begegnet sind. Mehr zu den Kirchen und Regionen erfahren Sie in den Historischen Routen hier auf Relais und Alpen. Nutzen Sie einfach die Links im nachfolgenden Text.

Der Zwiebelturm von St. Martin, Waakirchen

Der Zwiebelturm von St. Martin, Waakirchen

Waakirchen. An einem frostigen Novembermorgen so gegen 7 Uhr fuhr ich auf der ehemaligen Salzstraße zwischen Miesbach und Bad Tölz, als sich hinter einem für das bayerische Alpenvorland so typischen Moränenhügel, die die letzte Eiszeit den Bayern hinterlassen hatte, der markante Zwiebelturm und Maibaum von Waakirchen zeigte. Diese bezaubernde Morgenstimmung mit der sich durch den Nebel kämpfenden Sonne musste ich einfach im Bild einfangen. An diesem Morgen nahm die Idee einer Bildreportage mit oberbayerischen Zwiebeltürmen ihren Anfang.

Münchner Frauenkirche, Turmhauben, 1525

München. Die wohl bekanntesten Turmhauben Bayerns in Form einer Zwiebel dürften die beiden hundert Meter (einer davon nur 99 m) hohen Türme der Münchner Frauenkirche sein, die als Notlösung bedingt durch Geldmangel bereits im Jahre 1525 auf die fertigen Türme gesetzt wurden. Nun, es blieb dauerhaft bei dieser markanten Notlösung und Münchens Stadtbild kann man sich ohne diese beiden türkisfarbenen verwitterten Kupferzwiebeln nicht mehr vorstellen. Für mehrere Jahre waren die Türme bei der Renovierung umhüllt. Für Hobbyfotografen a bisserl ärgerlich. Mehr über München

Südwestlich von München
in Richtung Bad Tölz befinden sich drei äußerst empfehlenswerte Kirchenziele.

Die Wallfahrtskirche St. Leonhard, kurz vor Dietramszell wunderschön in einer Waldlichtung gelegen.

St. Leonhard_Dietramszell

Das ehemalige Augustiner Chorherrenstift in Dietramszell. Die Klosterkirche wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts mit Stuck und Fresken von Johann Baptist Zimmermann, Bruder des Erbauers der Wieskirche, ausgeschmückt. Die Plastiken stammen in großer Zahl von Franz Xaver Schmädl.

Klosterkirche Dietramszell

Klosterkirche Dietramszell

Das Kloster Reutberg nur wenige Kilometer von Dietramszell entfernt in Richtung Schaftlach-Miesbach, nördlich von Sachsenkam. Die Klosterkirche wurde 1733-35 neu errichtet mit barockem Turm und Zwiebelhelm.

Kunstjuwel Kloster Reutberg bei Sachsenkam

Kunstjuwel Kloster Reutberg bei Sachsenkam

Alle drei Kirchen sind in der Historischen Isartal-Route   näher beschrieben.

 

Auf dem Weg von München in den Chiemgau kennt wohl ein jeder den bezaubernden Ausblick vom Irschenberg (Autobahn München-Salzburg) über Wilparting hinaus zum Wendelstein.

Irschenberg-Wilparting mit Wendelstein,

Wer die reizvolle Kirche besuchen will, sollte die Abfahrt Irschenberg-Miesbach nehmen und Richtung Wilparting fahren.

Weiter geht es nach Rosenheim. Diese Innstadt hat zahlreiche Zwiebeltürme im Stadtbild zu bieten, auf Erkern, Kirchen und auf dem noch einzig von fünf Stadttoren erhaltenen Mittertor. Hier möchte ich Sie gerne auf den gesonderten Bericht über Rosenheim in der Historischen Route entlang des Inns hinweisen.

Rosenheim-einst Stadttor, heute Heimatmuseum

St. Johannes Bapt., Westerndorf-Pang bei Rosenheim

Eigenwillig mit großer und kleiner Zwiebel präsentiert sich westlich von Rosenheim bei Pang die Kirche St. Johannes Bapt. in Westerndorf.

Von hier lohnt sich ein Abstecher nach Bad Aibling, bzw. in westlicher Richtung darüber hinaus, nach Weihenlinden zur Wallfahrtskirche Hl. Dreifaltigkeit. Die Gnadenkapelle hinter dem doppelstöckigen frühbarocken Hochaltar wurde in den Jahren 1643 bis 1645 erbaut. Bei der Säkularisation (1803) wurden fast alle Archive über Bau und Ausstattung dieser prachtvollen Kirche vernichtet. Eine Reihe von Meistern konnte aber durch ihren eigenwilligen und handwerklichen Kunststil zugeordnet werden. Mehr zur Kirche finden Sie in der Historischen Route Bayerisches Inntal.

Weihenlinden

 

Das Wahrzeichen des Chiemgaus – ein Campanile mitten im Chiemsee.

Der freistehende Glockenturm des Marienmünsters ist eine Besonderheit, inmitten der reizvollen Insel Frauenchiemsee. Der frühere Wehr- und Fluchtturm bekam seine große Zwiebelmütze Ende des 17. Jahrhunderts.

Frauenchiemsee, Campanile

Der achtseitige Turm jedoch wurde bereits im 9. Jh. erbaut. Die malerische und viel gemalte Insel (ehemalige Malergilde im Gasthof Zur Linde) ist ein Paradies für Hobbyfotografen und kunsthistorisch Interessierte. Ein Muss ist neben der karolingischen Torhalle aus dem 9. Jh., dem ältesten „Hochbau“ Bayerns allerdings ohne Zwiebelhaube, der Inseltöpfer und der Genuss eines Chiemseefisches egal ob gebraten oder geräuchert in einem der typischen historischen Gasthöfe und Chiemseefischer-Gärten der Insel. Mehr über die Fraueninsel

Fraueninsel im Chiemsee

Südlich vom Chiemsee am nahen Samerberg, befindet sich das spätbarocke Wallfahrtskircherl im Kirchwald, Bayerns einzigste Einsiedelei. Erreichbar auf einer kurzen Wanderung durch den schattenspendenden Kirchwald. Der Prunk dieser kleinen Marienkirche überrascht in dieser beschaulichen Einsamkeit. Ein guter Ort für einen Weg zu sich selbst.

8-Samerberg_Einsiedelei im Kirchwald

Die doppeltürmige Pfarrkirche von Aschau im Chiemgau erhebt sich majestätisch über das Priental, gleich unter der Kampenwand (1609 m), dem Hausberg der Chiemseer. Der barockisierte Innenraum ist bemerkenswert. Neben der Kirche befindet sich die alte Hoftaverne, der Gasthof Zur Post. In der Vergangenheit zählte diese Einkehr zu den bedeutendsten Poststationen im Chiemgau. Heute ist der Gasthof und das angrenzende Hotel mit Sternen ausgezeichnet und im Besitz des 3-Sternekochs Heinz Winkler.

Aschau im Chiemgau

Höslwang. Nördlich der Chiemgauer Seenplatte fällt die stolz auf einer Anhöhe stehende Kirche St. Nikolaus auf – innen wie außen. Die schmucke Zwiebel wurde 1740 aufgesetzt. Der Innenraum erstrahlt in prachtvollem Stuck der Wessobrunner Schule. Die Kirche gehört zu den schönsten Rokokokirchen des Chiemgaus.

Höslwang im Chiemgau

Unweit von Höslwang in Richtung Inn, ca. 3 km nördlich von Griesstätt am rechten Innufer und nicht ganz einfach zu finden, befindet sich eine äußerst beeindruckende Klosterkirche, versteckt in der Stille – Kloster Altenhohenau. Die Suche nach dem Kircherl lohnt sich, wenn man in der Region zwischen Rosenheim und Wasserburg am Inn, bzw. im nördlichen Chiemgau unterwegs ist.

Altenhohenau - verstecktes Kleinod am Inn

Den Chiemgau möchte ich nicht verlassen ohne Sie auf ein weiteres Highlight der Region aufmerksam zu machen.

Seeon, St. Lampert im Klostersee

Seeon am Klostersee, nordwestlich von Seebruck (Chiemsee, Nordufer), war schon früh besiedelt von Kelten und Römern. Das ehemalige Benediktinerkloster auf einer Insel gelegen (zwei Holzbrücken führen hinüber), wurde  bereits 5 Jahre nach der Gründung 994 zum Reichskloster durch Kaiser Otto III. erhoben.

Der junge Mozart musizierte hier im 18. Jahrhundert. Weltliche und kirchliche Fürsten gingen im Kloster ein und aus, bis es 1803 in der Säkularisation aufgehoben wurde. Heute beherbergt das Kloster ein Kultur- und Bildungszentrum, zudem finden regelmäßig Ausstellungen und Konzerte (Musiksommer zwischen Inn und Salzach) statt.

Truchtlaching_St.Johann-Baptist

Das kleine Truchtlaching (Gemeinde Seeon-Seebruck-Truchtlaching) an der alten Salzstraße Salzburg – München war bereits zur Latenezeit besiedelt (Tipp: Chiemsee – Kelten und Römer) und schrieb im Laufe der Jahrhunderte eine bewegende Geschichte. Heute lohnt sich der Abstecher nach Truchtlaching per Pedes, per Rad oder auch per Schlauchboot auf der Alz ab Seebruck, sicher auch motorisiert auf zwei oder vier Räder.

 

Auf dem Weg zum Königssee entlang der Deutschen Alpenstraße befindet sich eines der bekanntesten Motive der bayerischen Alpen.

Ramsau, Berchtesgadener Land

Ramsau. Malerisch eingebettet zwischen den Felsmassiven Watzmann, Hochkalter und Reiteralpe. 200 Jahre benötigte der Bau der Kirche St. Sebastian und St. Fabian. Die schindelgedeckte Zwiebelhaube wurde zusätzlich mit einer Laterne erhöht.

 

Zum Abschluss der Zwiebeltürme des oberbayerischen Ostens führe ich Sie wieder an einen See, den Königssee.

St. Bartholomä, Königssee

St. Bartholomä am Königssee

Das weltbekannte Wahrzeichen des Königssees erhielt seine Zwiebelhauben 1698. Ein Tag voller Genuss erwartet Sie! Die Überfahrt nach St. Bartholomä vorbei an der Echowand, eine Wanderung auf der Halbinsel Bartholomä zu Füßen der Watzmann Ostwand… tief eingebettet in die umliegenden Berge wirkt der See wie ein Fjord.

Bartholomä Königssee

 

Ich freu mich, wenn Ihnen meine Auswahl Zwiebeltürme geholfen hat einen interessanten Kultururlaub in Oberbayerns Osten zu planen und verbringen. Der 2. Teil, Oberbayerns Westen von der Isar bis zum Schloss Neuschwanstein folgt in Kürze.

Sie suchen ein Bett für Ihre Erkundungsreise?

 

NL-Hotelsuche1-230-100 Kopie

 

Schreiben Sie mir bitte, wenn Sie Anregungen haben. Ihre Meinung zu diesem Bericht, generell zu den Relais und Alpen Tipps interessieren mich sehr.

eMail: relaisundalpen (@) t-online.de

 

nach oben

 

 

 

 

 

Christa

Posts