Herbstlicher Zauber Hoher Peißenberg – sattsehen geht hier nicht…

Christa —  3. Oktober 2013 — Kommentieren

Es raschelt wieder auf den Wanderwegen und es macht Spaß, die bunten Blätter mit einem heftigen Schubs vor sich her zu treiben. In diesen Tagen beginnt die Sonne das Alpenvorland in goldenes Licht zu tauchen, die grüne Landschaft des Sommers in warme gold-braune Töne zu verwandeln. Der Herbst ist da und mit ihm die Nebelfetzen die Berggipfel und Kuppen umhüllen, das Tal unter einer weißen Nebeldecke verschwinden lassen…

Herbst auf dem Hohenpeißenberg

Herbst auf dem Hohenpeißenberg

Aus dem bayerischen Voralpenland, genauer gesagt aus dem Pfaffenwinkel, erhebt sich eine 988 Meter hohe Bergkuppe, die dem Land eine Krone aufsetzt – eine sonnenverwöhnte. Die Einheimischen nennen ihren Berg auch Bayerischer Rigi, in Anspielung auf die Königin der Aussichtsberge, den rund 1800 Meter hohen Rigi in der Schweiz. Wie könnte es im bayerischen Landl anders sein… erhebt sich droben auf dem Berg auch ein Kircherl mit einer Zwiebelhaube. Eine schmucke Wallfahrtskirche der Wessobrunner Meisterschule – trotzdem ist es kein Heiliger Berg wie drüben in Andechs oder weiter östlich in Reutberg obwohl auch dieser Gipfel auf einen bayerischen Biergarten und Gasthof nicht verzichten muss.

Blick hinauf zum Hohenpeißenberg

Blick hinauf zum Hohenpeißenberg

Wer die Höhe des Hohen Peißenberges auf zwei oder vier Räder, geruhsamer über den 2,5 km langen Familien- & Senioren-Wanderweg ab der Ortsmitte Hohenpeißenberg (siehe unten) erklommen hat und bei dickem Nebel im Tal gestartet ist, wird seinen Augen nicht trauen. Ein herbstliches Schauspiel mit Rundumblick erwartet ihn. Glücklich jene, die ein Fernglas im Gepäck tragen und die Gipfel der Alpenkette, die bis in die ferne Schweiz reicht, noch näher heran zoomen können. Eine fantastische rundum Fernsicht ist hier oben in knapp 1000 Metern garantiert, an klaren Tagen, bei Föhn und bei Hochnebel in den Herbstwochen.

Südost-Blick vom Hohenpeißenberg

Südost-Blick vom Hohenpeißenberg

Unmittelbar gegenüber im Süden erhebt sich der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze (2.966 m) mit dem Schneeferner und Waxnstoa (Waxenstein). Wer sich um die eigene Achse dreht kann im Nordosten den „Heiligen Berg“, das Kloster Andechs und weiter in der Ferne sogar den Münchener Fernsehturm erspähen. Dem aufmerksamen Auge wird im Südosten rechts hinter dem Jochberg die weiße pyramidenähnliche Spitze des Großvenedigers (3.660 m) nicht entgehen. Berggipfel so weit das Auge reicht. Mit Hilfe des großen Bild-Panoramas (südlich der Kirche zu finden) können die jeweiligen Gipfel leicht erkannt und zugeordnet werden. Die Hügel, Seen und Dörfer des Umlandes hingegen sind an so manchen Herbsttagen in dichten flaumigen Wolken versunken, die nicht mal die Spitzen der Prachtkirchen aus der Wessobrunner Meisterwerkstatt preisgeben, wie die Schöne von Rottenbuch oder die weltberühmte Kirchenschönheit in der Wies (mehr darüber in der Königlichen Route).

Dicker Nebel im Tal

Dicker Nebel im Tal

Die Wessobrunner Kunst kann aber auch ganz nah hier oben auf dem Peißenberg in Augenschein genommen werden. Keiner der Bergbesucher kann sich wohl der Anziehungskraft der kleinen Wallfahrtskirche mit dem schmucken Zwiebelturm entziehen. Der Innenraum der Kirche Maria Himmelfahrt mit angrenzender Gnadenkapelle ist ein kleiner strahlender Juwel des bayerischen Rokoko. In bewährter Zusammenarbeit haben heimische Künstler diese Kirche, insbesondere die Gnadenkapelle in ein Schmuckstück verwandelt. Dies waren der Baumeister Josef Schmuzer aus Wessobrunn, sein Sohn Franz Xaver als filigraner Stukkateur, der Weilheimer Bildhauer Franz Xaver Schmädl (Altäre) sowie der Freskenmaler Matthäus Günther, Bauernsohn und Ministrant aus Hohenpeißenberg. Er war ein Schüler von Cosmas Damian Asam (Gebrüder Asam, München), traf auch mit dem Venezianer Tiepolo (Marienmünster Diessen, Ammersee) zusammen und wurde Direktor der Augsburger Malerschule.

Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt

Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt

Im überwältigenden Deckenfresko der Gnadenkapelle ist laut Überlieferung sein Vater als Bauer zwischen zwei Pferden abgebildet und er selbst betend daneben. Das Fresko hat durch Witterungsschäden ziemlich gelitten, dazu wurden Partien des Freskos durch ein Artilleriegeschoss im April 1945 zerstört. Die Feinheit sowie die Farben des Gemäldes gingen damals bei Restaurierungsarbeiten leider verloren. Zwischen 2006 und 2012 wurde die Gnadenkapelle vollständig restauriert und der Originalzustand des Jahres 1748 wieder hergestellt.

Wer möchte kann neben Fernsicht und Rokoko unser Wetter und Klima besser verstehen lernen. Einen guten Einblick in die Geheimnisse der Meteorologie geben 10 Stationen auf dem Wetterlehrpfad rund um den Gipfel. Kleine Entdecker werden mit einem Präsent des Deutschen Wetterdienstes belohnt, wenn sie alle Fragen der Lernstationen richtig beantworten. Das Infohefterl mit Kinder-Quiz ist am Infopavillion des Forschungsobservatoriums (gleich hinter der Kirche) erhältlich. Nicht nur Kinder lernen auf diesem Weg warum der Himmel blau ist und wie viele Wolkenarten es am Himmel zu sehen gibt. Das Meteorologische Observatorium Hohenpeißenberg ist die älteste Bergwetterwarte der Welt. Die Messungen begannen bereits im Jahr 1781. Seit 1952 ist das Observatorium Hohenpeißenberg eines von zwei Forschungsobservatorien des Deutschen Wetterdienstes.

Weitblick von der Zugspitze bis in die Schweiz

Weitblick von der Zugspitze bis in die Schweiz

Wer sich nach ausgiebigen Kultur-, Wissens- und Sonnengenuss wieder hinab ins Tal begibt, dem empfehlen wir weitere historische Glanzpunkte des Pfaffenwinkels zu besuchen. Mehr hierzu erfahren Sie in der Historischen Route zwischen Lech und Isar.


Wie und wo findet man diesen attraktiven Berg im bayerischen Oberland
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Den Hohen Peißenberg finden Sie an der B 472 zwischen Schongau und Peißenberg in der Nähe der Deutschen Alpenstraße und Weilheim in Oberbayern.

Wander- und Kulturtipp!
Der Hohe Peißenberg liegt direkt am König-Ludwig-Wanderweg, der von Berg am Starnberger See nach Füssen verläuft sowie am Jakobsweg Salzburg-Hohenpeißenberg, der weiter ins rund 13 Kilometer entfernte Rottenbuch führt. Unbeschreiblich beeindruckend und fernab des großen Bustourismus der nahen Wieskirche können hier nicht nur Wanderer eine Verschnaufpause einlegen und ein wahres Feuerwerk der Wessobrunner Schule in sich aufnehmen. Mehr darüber in der Historischen Route zwischen Lech und Isar.

Wandertipps vom Verkehrsverein Hohenpeißenberg gleich hier >

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Christa

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