Kleine Dolomiten-Runde mit lohnenden Zielen

Christa —  2. September 2014 — Kommentieren

Kurvenreiche Passstraßen, Bergpanoramen zum Staunen, etwas für Berggenießer – eine Tourismus-Attraktion bei der man die Stille suchen muss. Vorteil: schlechte Geher, kommen dank der einst österreichischen Dolomitenstraße den zerklüfteten und schroffen Gipfeln sehr nah. Meine kleine Fotodoku bringt den Beweis. Und die Bergstille? Die findet man auch.

Bizarre Spitzen auf der Kleinen Dolomitenrunde - Latemar

Bizarre Spitzen auf der Kleinen Dolomitenrunde – Latemar

Die Dolomiten sind einzigartig und ziehen mich immer wieder magisch an. Dieses Mal habe ich mir auf meiner Kurzreise entlang der kleinen Dolomitenrunde Ende Juni den Rosengarten, Lago di Fedaia und das Langental als Abstecher auserkoren. Von Gewitterwolken verfolgt genoss ich die angenehmen ca. 25-28 Grad inmitten der Dolomiten angesichts des bayerischen Hitzesommers 2013 mit knapp 40 Grad.

Das wilde und enge Eggental gab sich morgens um acht zwischen den steilen Felshängen noch recht schattig, öffnete sich jedoch bei Birchabruck wenige Kilometer vor Welschnofen und gab die ersten Blicke auf den Latemar mit seinen unzähligen Zacken frei. Nach knapp drei Kilometern funkelt der türkisblaue Karersee in der Morgensonne durch den Bergwald. Gleich danach erfolgt der Hinweis auf den großen Parkplatz links, mit Shoppingcenter und rollstuhlgerechtem Zugang zum See. Eine Errungenschaft der Neuzeit, die Massentourismus verheißt. Zum Glück war ich früh dran, dachte ich, um die Spiegelung im See in den klaren Morgenstunden erleben zu können. Nach wenigen Gehminuten am See angekommen, musste ich leider feststellen, die Sonne hat das Bild bereits im Griff, dazu war der sonst glasklare See mit Blütenstaub bedeckt. Trotzdem eine berauschende Ansicht – der Latemar im und am Karersee, der früher von den Menschen als Regenbogensee benannt wurde… eine Nixe soll tief im See ihren Schatz verborgen haben, so hört man, der mit den Sonnenstrahlen zu funkeln beginnt.

Karersee-Latemar-Spiegelung

Karersee-Latemar-Spiegelung

Ein gepflegter Rundwanderweg von dreißig Minuten gibt im Wegverlauf den Blick hinüber zum Rosengarten frei. Aufgrund der noch drohenden Busankünfte machten ich mich auf den Weg in ruhigere Gefilde, in Richtung Nigerpass und Rosengarten – keine vier Kilometer abseits der normalen Route. Dort gibt es nach den Skianlagen Karersee einen Wanderparkplatz mit zwei Jausen-Bankerl direkt unter der Rotwand. Hier waren wir, meine Mitfahrerin und ich ganz allein und genossen den Blick nach oben in das Reich des Zwergenkönigs Laurin – den Rosengarten. Das mit Laurins Fluch, dass kein Menschenauge mehr sein Rosengartenreich sehen soll hat was, denn jedes Mal wenn ich vor dem Rosengarten stehe ist er in Dunst gehüllt. Ich sollte wirklich mal die im Fluch vergessene Dämmerung am Morgen oder Abend anvisieren… früher aufstehen oder später kommen. Vielleicht ja ein Tipp für Sie, den Rosengarten als rot erblühende Bergkulisse zu erleben, dann wenn die Sonne auf oder unter geht.

Nigerpass-Rosengarten mit Rotwand

Nigerpass-Rosengarten mit Rotwand

Der Blick nach unten, auf den Waldrand offenbarte ein kleines Natur-Stilleben mit Tannenzapfen und buchsblättriger Kreuzblume.

Naturstilleben mit buchsblättriger Kreuzblume

Naturstilleben mit buchsblättriger Kreuzblume

Latemar-Blick vom Nigerpass

Latemar-Blick vom Nigerpass

 

Rosengarten-Blick vom Karerpass

Rosengarten, Blick vom Karerpass

Der Weg führt uns weiter durch das ladinisch-sprachige Fassatal, das auf mich keinen besonderen Reiz ausübt. Irgendwie stören die modernen städtisch wirkenden Bauten, die nicht in das Landschaftsbild passen. Bevor Ende des 19. Jahrhunderts die Dolomitenstraße in Planung ging, war das damals österreichische Tal schwer erreichbar. Heute zwängt sich eine Verkehrslawine durch das Tal, die in Richtung Canazei und in eine bizarre Felsen-(Korallen-) Welt des einstigen Urmeeres Thetys drängt.

Marmolada-Blick vor Canazei mit Wiesensalbei

Marmolada-Blick vor Canazei mit Wiesensalbei

Ab Canazei folgten wir dem Passo di Fedaia, der uns gen Süden zum Marmolada-Gletscher und Lago di Fedaia hinauf auf 2057 Meter führte. Begleitet von einer belgischen Radgruppe mit geschätzten 20 Radlern, die sich so „lästig“ anfühlten wie ein Schwarm Wespen, erreichten wir die Passhöhe.

Fedaia Pass, Lago di Fedaia

Fedaia Pass, Lago di Fedaia

Oben angekommen hat die Marmolada etwas von der mächtigen Bergkulisse aus der Ferne betrachtet verloren. Die unmittelbare Nähe zum Gletscher und das grad noch 1300 Meter hohe Felsmassiv mit dem vom Bergwind gepeitschten See sind allerdings immer noch äußerst beeindruckend. Hier heißt es Zeit nehmen und auf Schusters Rappen die Passhöhe erkunden.

Lago di Fedaia _Marmolada-Gletscher

Lago di Fedaia mit Marmolada-Gletscher

Marmolada kurz vor der Passhöhe

Marmolada kurz vor der Passhöhe

Wieder in Canazei zurück, lassen wir den Passo Pordoi, die Große Dolomitenstraße „rechts liegen“ und fahren weiter auf der kleinen Dolomitenrunde über das Sellajoch in Richtung Grödner Tal. Und da waren sie plötzlich wieder, die Wespen, äh, die belgischen Radler mit ihrem Begleitbus.

Sellagruppe

Sellagruppe

Passo di Sella

Passo di Sella

Auf der Passstraße zum Joch holte uns der Massentourismus mit zahlreichen bergauf schleichenden, übel stinkenden Reisebussen und unzähligen Motorrädern ein. Bei den „Zwangspausen“ (wir hofften, die Busse nehmen mal ein Ende) pflückten wir zwar keine Blumen am Wegesrand, ich fotografierte sie. Erfolg brachten diese Pausen nicht, der Verkehr wurde immer stärker.

Steinröschen am Sellapass auch Alpenflieder genannt

Steinröschen am Sellapass auch Alpenflieder genannt

Sellapass_Heidekraut und Brillenschötchen

Sellapass, Heidekraut und Brillenschötchen

Am Ziel, dem 2214 Meter hohen Sellajoch…

Kurios, die kleine Hütte am Sellajoch

Kurios, die kleine Hütte am Sellajoch

… einschließlich eines Stopps an einer Baustelle zwischen Radlern, Bussen und Motorrädern im Abgasdunst stehend, dann doch noch oben angekommen, versuchten wir die Dolomitenkulisse mit Langkofel, der Sella und Blicken hinüber zur Geisler Gruppe und dem Zillertal im weltweiten Sprachengewirr zu genießen. Seit vielen Jahren verfolge ich eine kleine Holzhütte „Souvenir Dolomiti“ die sich geheimnisvoll den Kameras der Betrachter stellt und gegen den Verfall ankämpft. Ich ziehe diese Aufnahme dem umparkten Sellajochhaus vor. Rund um diese Hütte entdeckt man schönste Bergausblicke bis zurück zur Marmolada und ganz nah den blau blühenden Frühlingsenzian sowie einen schmalen Pfad, der zur dahinter liegenden Sella führt.

Langkofel-Gruppe

Langkofel-Gruppe

Enzianblüte am Sellajoch

Enzianblüte am Sellajoch

 

Ausblick vom Sella-Joch Geisler-Gruppe_Steviawand und Gipfel des Zillertales mit Gewitterwolken

Ausblick vom Sella-Joch Geisler-Gruppe_Steviawand und Gipfel des Zillertales mit Gewitterwolken

Die Abfahrt ins Grödner Tal kann man mit dem Stop-and-Go-Verkehr ähnlich einer Großstadt vergleichen. Auf einer so langsamen Fahrt versäumt man dann auch keinen Stützpfeiler und keine Bergstation des größten Skizirkusses (Dolomiti Superski) der Alpen, eigentlich der Welt. Mir kam dabei in den Sinn… früher hat man auf die Bergkuppen Burgen gebaut, heute sind es die Bergstationen der Liftanlagen.

Zwischen Wolkenstein und St. Christina verlasse ich die Hauptstraße ins ruhigere nördlich gelegene Langental. Ein Wander-Ausgangspunkt mitten im Naturpark Puez-Geisler. Die Puez Hütte erreicht man vom Wanderparkplatz aus in knapp drei Stunden. Die kleine Silvesterkapelle mit den Wandmalereien aus dem Jahre 1638 in einem Spaziergang von etwa zehn Minuten über die Weidewiese.

Langental-Silvesterkapelle. Achtung Kuh kreuzt!

Langental-Silvesterkapelle. Achtung Kuh kreuzt!

Silvesterkapelle mit Stevia-Wand im Langental

Silvesterkapelle mit Stevia-Wand im Langental

Silvesterkapelle, Wandmalerei von 1638

Silvesterkapelle, Wandmalerei von 1638

Hier im Tal, das eingangs von der steilen Steviawand überragt wird, vergisst man die Tourismusmassen, wenigstens an diesem Junitag. Noch dazu wird dieses Tal zu den schönsten Tälern der Dolomiten gezählt. Wildromantisch! Hier verweilt und wandert man gerne, genießt die Natur.

Wegweiser zur Puez-Huette

Wegweiser zur Puez-Huette

Langental, Dotterblume am Bachlauf

Langental, Dotterblume am Bachlauf

Zum ersten Mal auf meinen vielen Reisen in die Dolomiten, egal ob Sommer oder Winter, stellte ich mir die Frage zwischen dem Verhältnis Mensch und Natur. So „überladen“ habe ich die Dolomiten noch nie erlebt. Irgendwie erinnerte mich der Passo di Sella diesmal an einen großen Erlebnispark. Es fehlte nur noch das Eingangshäuschen mit der Tageskasse. Trotzdem, die Dolomiten sind wunderschön und unvergesslich. Mich zog es dann weiter über St. Ulrich hinauf zur Seiser Alm.

Mehr zu den Dolomiten und Südtirol
gleich hier >  oder  Historische Route Eisacktal >

 

NL-Hotelsuche1-230-100 Kopie

 

nach oben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christa

Posts

Keine Kommentare

Starten Sie die Unterhaltung.

Hinterlasse eine Antwort