Mittelalter Route Vinschgau

christian —  11. Oktober 2012 — Kommentieren

Von Meran bis Finstermünz am Reschenpass folgen wir der Via Claudia Augusta, erleben mittelalterliche Burgen und Schlossruinen, entdecken romanische Kirchlein mit beeindruckenden Fresken.

Die Via Claudia Augusta, 15 v. Christus trägt den Namen des Germanenbezwingers Tiberius Claudius Caesar Augustus. Diese Straße führte von Altino (nahe Venedig) über Trient, Meran, durch den Vinschgau, hinauf auf den Reschenpass. Über Landeck, Imst sowie den Fernpass führt sie nach Augusta Vindelicum (Augsburg) und weiter bis an die Donau, bei Donauwörth. Sie ist die einzige römische Straße über die Alpen, deren Namen uns heute noch bekannt ist, durch Funde von römischen Meilensteinen im Vinschgau belegt.

Länge der Route: ca. 80 km, entlang der Via Claudia Augusta
Abstecher: Stilfserjoch ca. 20 km, Müstair (Schweiz) ca. 15 km
Abstecher: Schnalstal, Kurzras ca. 25 km

Meran unter Palmen

Der Relais und Alpen-Tipp!
Wir empfehlen die Route auf Wander- oder Radwegen zu erkunden. Für müde Wanderer oder Radler ist die Vinschgerbahn zwischen Meran und Mals ein willkommenes Angebot. Sie können an den Bahnstationen der Vinschgerbahn jederzeit ein Fahrrad mieten. Lassen Sie Ihr Fahrrad ruhig zu Hause.

Meran, die Kurstadt an der Passer

Seit den Sisi Jahren ist diese Stadt wie ein Magnet und zählt zu den bedeutendsten Kurorten der Alpen.  Der alte Stadtkern um die Pfarrkirche St. Nikolaus, mit der Laubengasse die zum Kornplatz führt, lädt zum Shopping. Sehenswert neben der Passerpromenade und Kurhaus auch die Pfarrkirche St. Nikolaus(spätgotischer Hallenbau, gotischer Flügelaltar) mit dem 80 m hohen Turm und Haube der Renaissance.

AHR S1

Der Relais und Alpen Tipp!
Die Gärten von Schloss Trauttmansdorff und das Tourismus-Museum »Touriseum« Weitere Information direkt auf der offitziellen Webseite

Naturns, St. Prokulus

Östlich von Naturns steht das Kirchlein St. Prokulus aus vorkarolingischer Zeit (7. Jh.). Die Prokuluskirche zählt zu den bedeutendsten historischen Kunstdenkmälern des europäischen Kontinents. Hauptsehenswürdigkeit sind die Fresken des 8. Jahrhunderts im Inneren der Kirche, die ältesten bisher entdeckten Wandmalereien im deutschsprachigen Raum. Das Museum St. Prokulus erzählt sehr anschaulich die Geschichte des Vinschgaus, von den Rätern und Römern.

Schnalstal: Karthaus

Bergsommer Schnalstal

Eine gut ausgebaute Straße führt in das anfänglich enge, aber landschaftlich beeindruckende und wildromantische Bergtal, vorbei an der auf ca. 1.000 Meter hoch gelegenen Burg Juval (Messner Mountain Museum). Nach kurzer Fahrt erkennt man das hoch über dem Tal gelegene Katharinaberg, dessen Kirche sich markant gen Himmel streckt. Unweit davon liegt Karthaus, das nach dem großen Brand von 1924, innerhalb der Klostermauern des ehemaligen Karthäuserklosters Allerengelberg wieder aufgebaut wurde. 1326 wurde das Kloster durch die Grafen von Tirol gegründet aber schon 1782 aufgrund der Reformpolitik von Kaiser Joseph II. aufgelassen. Reste des Klosters sind noch heute zu erkennen bzw. erhalten, darunter der Kreuzgang (div. Ausstellungen), die Ringmauer und die Klosterkirche St. Anna.

Unsere Frau in Schnals

Malerisch inmitten des Tales liegt die barocke Wallfahrtskirche “Unsere Frau in Schnals”, erbaut im Jahr 1307. Wallfahrten sind seit dem 14. Jh. bezeugt. Sehenswert: Grabkreuze, Heiliggrabgrotte und eine große liegende Christusskulptur. Eine Besonderheit, der Archeo Park zeigt Lebensweise und Umwelt der Menschen in der Jungsteinzeit, die Zeit des Mannes aus dem Eis. Ötzi lebte ca. um 3350 v. Christus. Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr von März bis Anfang November, im Juli und August auch montags und an Feiertagen geöffnet.

Am Ende des Tales, vorbei am Vernagtsee (Finailhöfe), erreicht man Kurzras (2.014 m). Von hier führt die höchste Seilbahn Südtirols auf den Grawand (3.211 m), hinein in die Gletscherwelt der Ötztaler Alpen. In der Bergstation gibt es eine Ausstellung über die Gletscherwelten und eine Ötzi-Galerie, welche den Fund der Mumie, des Mannes aus dem Similaun-Gletscher, dokumentiert.

Kastelbell

Das Schloss Kastelbell, 1238 erstmals erwähnt, dominiert den gleichnamigen Ort am linken Etschufer auf einem Felsen stehend, um den sich die Durchgangsstraße schlängelt. Tipp! Dauerausstellung der Via Claudia Augusta.

Laas, Laaser Marmor

„Der Laaser ist lebendig“, so umschrieb der bayerische Hofbildhauer Ludwig Schwanthaler den makellosen weißen Marmor, auch das weiße Gold aus dem Vinschgau genannt, der in 2.500 Metern Höhe abgebaut wird. Ein wertvoller Marmor und der wetterbeständigste weiße Kalkstein der Welt. Der Lieblingsstein der Habsburger Herrscher. Große Aufträge kamen vom Kaiserhof in Wien vor dem ersten Weltkrieg, aber schon zu Zeiten der Römer standen marmorne Meilensteine an der Via Claudia Augusta. 1929 wurde die Laaser Marmorbahn in Betrieb genommen. Die Bahn führt über eine Wegstrecke von 4 km hinauf zum Laaser Bruch. Bemerkenswert ist die 1 km lange Teilstrecke des Schrägaufzugs, hinauf auf 867 m Höhe. Die Bahn transportiert noch heute den Marmor vom Bergbahnhof 1.350 m hinunter ins Tal.
Zahlreiche Kunstwerke aus Laaser Marmor schmücken die heimischen Kirchen und Kapellen im Vinschger Tal. Übersehen Sie nicht die reich verzierten Medaillons aus Laaser Marmor, des heimischen Bildhauers Gregor Schwenzengast 16. Jh. (auch zu finden im Kloster Marienberg)

Prad und Stilfserjoch

Prad ist sehr gut bekannt als „Einstieg“ in die 48 steilen Kehren hinauf zum Stilfserjoch. Wer diesen Abstecher macht, wird ein atemberaubendes Bergpanorama vorfinden, nur knapp 250 Meter unter dem höchsten Gipfel Südtirols, dem Ortler (3.905) mit seinen weißen Spitzen, Karen und Graten.  Die Stilfserjoch-Passstraße ist die zweithöchste Passstraße der Alpen, aus strategischen Gründen 1822 erbaut.

Lichtenberg

Schloss Ruine Lichtenberg

Das bäuerliche Dörfchen Lichtenberg wird überragt von der gleichnamigen und imposanten Schlossruine, der ehemaligen Burg der Grafen von Tirol (Freskenzyklus des 14. Jh.). Diese größte Schlossruine Südtirols beherrscht das Vinschger Tal zwischen Burgeis am Reschenpass und Schluderns. Im 13. Jh. wurde die große Burganlage zum Schutz Tirols, vor den kriegerischen Schweizern erbaut. Im Ort befindet sich ein Weisses Rössl, erbaut ca.1480 (evt. auch früher), ein Handelsrelais aus der Zeit, als die Fugger noch über den Reschenpass von Süd nach Nord reisten. Heute ist das Weisse Rössl ein schmuckes Hotel mit modernen Zimmern und Suiten. Eine bewegte Geschichte zum Nachlesen.

St. Christina auf Pinet

Ein romanisches Kirchlein am Wegrand sollten Sie unbedingt besuchen, St. Christina auf Pinet, unweit der Schlossruine Lichtenberg und auf einer Wanderung von Lichtenberg aus gut zu erreichen. Bemerkenswerter Innenraum.
Ein herrlicher Ausblick über den Vinschgau ist Ihnen gewiss.

Churburg, Schluderns

Majestätisch über dem kleinen Städtchen steht die besterhaltene Burg Südtirols, die Burg der Grafen von Trapp. Der Ursprung der Churburg geht auf die Bischöfe von Chur zurück, die diese Burg im 13. Jh. erbauten, nach einem Sieg über die Vögte von Matsch. Von bestechender Schönheit ist der mit Fabelszenen reich bemalte Arkadenhof und Mittelpunkt der Burganlage. Prunkstücke der Burg sind das Jakobszimmer und die Rüstkammer, in der 50 vollständig erhaltene Rüstungen in der „eisernen Gardarobe“ stehen. Ein überwältigender Eindruck.

Tartscher Bühel, Tartsch

St Veit TartscherBuehel

Unweit der Churburg in südwestlicher Richtung, ragt aus der Weite des Etschtals ein Moränenhügel, der Tartscher Bühel hervor. Weithin sichtbar thront eines der ältesten Kirchlein des Vinschgaus, St, Veith (11. Jh., Bild) ganz oben auf der Kuppe. Der Spazierweg hinauf belohnt mit einer herrlichen Aussicht in das weite Tal. Unbedingt ansehen sollten Sie sich die archäologische Ausgrabung, das Rätische Haus aus dem 4. oder 3. Jh. v. Ch., Führungen!

Glurns, die kleinste Stadt der Alpen

Das Mittelalterstädtchen ist umgeben von einer Stadtmauer mit Wehrgang. In die Stadt führen drei Tore, das Malser, das Schludernser und das Tauferer Tor. Der Ortsname ist rätischen Ursprungs und wird schon um 1163 erwähnt. Im 13. Jh. war hier der Sitz des landesfürstlich-tirolerischen Gerichts und ab 1304 besaß Glurns die Stadtrechte. Bereits im 15. Jh. wurde innerhalb der Stadtmauern für die Pfarrkirche St. Pankraz kein Platz gefunden und so wurde die Kirche vor den Toren der malerischen Stadt mit den alten Laubengängen erbaut.

Taufers im Münstertal

Taufers, direkt an der italienisch-schweizerischen Grenze, wird von zwei mächtigen Burgruinen geprägt. Sehenswert direkt an der Straße die romanische Kirche St. Johann (Johanniterhospizkirche) 1220 erbaut, erweitert 1250.  Im Rundbogen des romanischen Portals die Mutter Gottes. In der 2-geteilten Kirche befinden sich bemerkenswerte romanische Fresken.

Müstair, Kloster St. Johann (Schweiz) – UNESCO Weltkulturerbe

Muestair St.Johann

Müstair, Kloster St. Johann

Wenige Kilometer nach Taufers und der Schweizer Grenze stößt man auf eine 1200 Jahre alte Klosteranlage aus karolingischer Zeit, die seit dem 12. Jahrhundert von Benediktiner Klosterfrauen gepflegt wurde. Die prunkvolle Ausstattung erhielt die Kirche St. Johann im 8./9. Jahrhundert sowie im 12. Jahrhundert. Den großen Reichtum bei seiner Gründung verdankt das anfängliche Männerkloster einer Morgengabe von Karl dem Großen. Müstair war ein wichtiger Ort an der Grenze seines Reiches, zwischen dem neu eroberten Langobardenreich (774) und dem anvisierten Ziel, dem Herzogtum Bayern. Damit verbunden, die Absetzung des Bajuwarenherzogs Tassilo III., was im Jahre 788 den vorläufigen Abschluss fand.

Eine Stuckfigur Karls des Grossen befindet sich in der Baldachinnische zwischen Mittel- und Südapsis. Von besonderer Bedeutung ist der karolingische Freskenzyklus aus der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts. Sämtliche Wandflächen der Kirche, inklusive Apsiden und Fensterlaibungen waren ausgemalt. Im 9.-12. Jahrhundert wurden Retuschen und Übermalungen an den karolingischen Fresken vorgenommen. Mit dem Einzug der Benediktinerinnen entstand das Bedürfnis die Apsiden und die Ostwand der Kirche mit neuen Fresken auszustatten. Im Klostermuseum erfährt man mehr über die bewegte Geschichte und das Leben im Kloster.

Laatsch

Zwischen Taufers und Mals unbedingt das Kirchlein St. Leonhard besuchen. Dieses gotische freskengeschmückte Kleinod mit gotischem Flügelaltar, beeindruckt zudem architektonisch. Der Chor der Kirche ist untertunnelt und somit führt die Dorfstraße unter der Kirche hindurch.

Mals, Zentrum des Obervinschgaus

Enge steile Gassen prägen den Ort, der vom 33,5 m hohen Rundturm der Fröhlichsburg (12. Jh.) überragt wird, dem Wahrzeichen von Mals. Über 164 Stufen kann der Turm erklommen werden. Ein weiteres Juwel aus karolingischer Zeit ist die Kirche St. Benedikt, deren Fresken im Inneren zu den ältesten im gesamten deutschen Sprachraum zählen, neben denen von St. Prokulus (Naturns).

Kloster Marienberg, Burgeis

Kloster Marienberg

Kloster Marienberg, Reschenpass – Vinschgau

In 1.334 Metern Höhe liegt Europas höchste Benediktinerabtei. Für diesen Convent sollten Sie sich etwas mehr Zeit einräumen. Vom Klostervorplatz aus genießt man einen weiten Blick ins Tal, die Malser Heide, bis hinüber zur Schlossruine Lichtenberg. Die Hauptsehenswürdigkeit, die Krypta überzeugt mit Fresken um 1160 mit einzigartigen Engelsdarstellungen. Das Herzstück des Klosters ist die barocke Stiftskirche, die einzige dreischiffige Pfeilerbasilika im Vinschgau.

Reschenpass, 1.504 Meter über dem Meer

Wer kennt ihn nicht, den markanten Turm im Reschensee, im Dreiländereck Italien, Schweiz und Österreich. Wie schon bei den Römern, so zählte der Pass auch im Mittelalter zu den wichtigsten Alpenübergängen. 1950 wurde der Reschensee auf italienischer Seite zur Energiegewinnung aufgestaut und das malerische Dörfchen Graun geflutet. Allein der Kirchturm aus dem 13. Jh. blieb erhalten und ist so zur touristischen Attraktion geworden.

Festung Altfinstermünz am Inn

Eine der bedeutendsten Zollstationen Tirols seit der Antike, liegt wildromantisch in einer Schlucht am noch jungen quirligen Inn, gleich unterhalb der Reschenstraße, zwischen dem Engadin und Tirol. Bereits um 45 n. Chr. wurde hier im Bereich von Finstermünz an der Via Claudia Augusta der Inn mit einer Brücke überwunden. Seit römischer Zeit bis 1854 war die Zollstätte eine der wichtigsten Station über die Alpen zwischen Nord und Süd. Zur Festungsanlage gehören ein Brückenturm (ehemals Zugbrücke), das Sigmundseck (1473 von Erzherzog Sigmund der Münzreiche als Zollfestung errichtet), eine mittelalterliche Höhlenburg, der Klausenturm (1502-1537 errichtet) und die Kapelle Mariä Himmelfahrt (1603 von Erzherzog Maximilian III. dem Deutschmeister in Auftrag gegeben). Der Verein Altfinstermünz hat eine mittelalterliche Erlebniswelt geschaffen. Führungen: Juni bis September am Dienstag 10 Uhr – 14 Uhr. Altfinstermünz muss man sich ab der Kajetansbrücke bei Pfunds auf der alten Römerstraße Via Claudia Augusta erwandern (ca. 40 Minuten) oder ab Schalkl (ca. 20 Minuten). Ein kurzer aber steiler Waldpfad führt über die Straße zwischen Martina und der Kajetansbrücke bei Vinadi (links, kurz vor der Abzweigung Samnaun) in ca. 10 Minuten zur Festung hinunter.

Finstermuenz am Inn

Festung Finstermünz am Inn

 

Folgen Sie doch ab hier dem Inn weiter in das Engadin, nach Tirol und bis nach Wasserburg in Bayern

 

Unser Tipp für eine gute Nacht und mehr…

 

Mehr Informationen über Südtirol gleich hier auf der offiziellen Webseite >

 

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christian

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